Wirtschaft : Mineralölbranche: Konzerne spüren Konjunktureinbruch nicht

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Von der derzeitigen Konjunkturflaute ist bei den internationalen Mineralölgesellschaften nichts zu spüren. Die stark gestiegenen Preise für Erdöl und Erdgas ließen ihre Profite im vergangenen Jahr hochschnellen. Die vier Großen - Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, BP Amoco, Totalfina Elf - erzielten Gewinne allein in der Produktion von Öl und Gas zwischen 20 und 27 Milliarden Mark. Hinzu kam, dass sich auch die Raffineriemargen günstig entwickelten. Mit Abstrichen sind diese für die Ölbranche positiven Faktoren auch im laufenden Jahr wirksam geblieben.

Welche Auswirkungen die Terroranschläge in den USA auf die Mineralölkonzerne haben werden, ist ungewiss. Noch sei es viel zu früh, die Konsequenzen konkret zu bewerten, erklärte der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt dem Handelsblatt. Immerhin sei zu befürchten, dass Vergeltungsschläge der USA einen Flächenbrand im Nahen Osten verursachen. Solange es zu keiner Eskalation in Nordafrika und der Golfregion kommt, darf die Ölindustrie gelassen bleiben. Der Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg hält nichts von einer vorschnellen Dramatisierung. Es wird zurzeit genügend Erdöl angeboten, Verknappungen sind nicht in Sicht. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller sagte: "Ich begrüße außerordentlich die Erklärung der Opec, Vorsorge zu treffen, dass weder preislich noch mengenmäßig eine kritische Situation auf den Weltölmärkten entsteht." Die großen Player haben in den letzten Jahren im Upstream-Bereich (Exploration und Produktion von Öl und Gas) überdurchschnittliche Profite realisiert, weil sich die Rohölnotierungen zeitweise verdrei- bis vervierfachten. Während die Preise für das Nordseeöl Brent, das die Preisführerfunktion in Europa besitzt, Anfang 1999 die Zehn-Dollar-Marke streiften, kletterten die Notierungen im letzten Herbst auf über 35 Dollar je Barrel (159 Liter). Am Dienstag lag der Preis unter 21 Dollar.

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