Mineralwasser : Billig-Sprudel oder Edel-Tropfen

Auf dem Markt für Mineralwasser herrscht ein brutaler Preiskampf. Supermarktketten machen den deutschen Herstellern schwer zu schaffen. Gleichzeitig gibt es immer mehr "Edel-Wässerchen" mit Preisen bis zu hundert Euro.

Nicola Korte
Edel-Wasser
Nur vom Feinsten: Die Flasche des Edel-Wassers "Bling" ist mit Swarovski-Kristallen besetzt. -Foto: dpa

HamburgJeder Schluck ein teurer Genuss: In Nobel-Hotels in Deutschland steht seit einiger Zeit das Mineralwasser "Bling" auf der Getränkekarte - für 75 bis 98 Euro pro 0,75 Liter Flasche. Der enorme Preis für das amerikanische Edel-Wässerchen wird unter anderem mit der Verpackung begründet: Die satinierte Flasche ist mit Kristallen des österreichischen Unternehmens Swarovski besetzt und mit einem Naturkorken verschlossen. Mehr Schein als Sein? "Das ist schon dekadent", sagt der Restaurantleiter des Hamburger Hotels "Atlantic Kempinski", Wilfried Kopf. "Das sind auch ganz spezielle Gäste, die dieses Wasser bestellen. Das ist mehr ein Gag."

Immerhin ist dieser Gag sogar noch etwas teurer als der Haus-Champagner des Hotels. "Wir hatten zum Beispiel Gäste, die wollten das "Bling"-Wasser bestellen, weil ihre Schuhe, das Kleid, das Handy und die Brosche mit Swarovski-Kristallen bestickt waren. Dann sollte auch das getrunkene Mineralwasser passen", erzählt Kopf. Für Stars und Sternchen in Amerika ist der glamouröse Durstlöscher schon länger ein Hit. Er fließt auf MTV-Partys und Emmy-Verleihungen und taucht als Statussymbol in Hip-Hop-Videos auf.

Neun Filter machen "Bling" exklusiv

Das High-Society-Wasser aus einer Quelle in Tennessee durchläuft nach Angaben des Herstellers neun verschiedene Filter - unter anderem eine Ozonbehandlung, eine Ultraviolett-Bestrahlung und eine Mikrofiltration - bevor es in die Flasche kommt. Ob es deshalb gesünder ist? "Es muss nun wirklich kein teures Mineralwasser sein, Leitungswasser ist genauso gesund", sagt die Referentin für Ernährung der Bundesverbraucherzentrale, Angelika Michel-Drees. "Wem auch nur ein bisschen an Nachhaltigkeit liegt, der sollte sowieso lieber Mineralwasser aus der Region oder gleich Leitungswasser trinken." Schließlich steige bei zunehmender Länge des Transportweges auch die CO2-Belastung eklatant an.

Zwar gibt es in vielen Hotels zur Zeit einen Trend zu umfangreichen Wasserkarten, auf denen teilweise bis zu 40 unterschiedliche "Wässer", wie es im Fachjargon heißt, zur Auswahl stehen. Der exotischen Herkunft sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ob "Voss" aus der norwegischen Wildnis, "Ty Nant" aus Wales oder "Fiji" aus der Südsee. Die Preisspanne reicht von unter zehn bis um die 100 Euro. Und: Inzwischen gibt es sogar speziell ausgebildete Wasser-Sommelières. Allerdings spiegeln exklusive Vorlieben einer speziellen Verbraucherklientel nicht die allgemeine Stimmung am Mineralwassermarkt wider.

Discounter machen deutschen Brunnen zu schaffen

Denn parallel zu der Nachfrage nach Edel-Wässerchen aus der Ferne serviert von eigenen Sommelières kämpfen immer mehr mittelständische Mineralwasserunternehmen in Deutschland um ihre Existenz. Und das liegt nicht an der mangelnden Nachfrage. Im Gegenteil: Der Pro-Kopf-Mineralwasserverbrauch der Deutschen steigt seit Jahrzehnten. Während es 1950 im Durchschnitt nur 3,8 Liter waren, konsumierten die Deutschen im vergangenen Jahr 132 Liter pro Kopf. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen ist Mineralwasser inzwischen das beliebteste alkoholfreie Getränk.

Das Problem für die deutschen Mineralbrunnen sind die Discounter: Binnen weniger Jahre haben sie ihren Marktanteil bei Mineralwasser mehr als verdoppelt. "Die Discounter bieten Mineralwasser zu Dumping-Preisen an. Häufig kosten anderthalb Liter nur noch 16,5 Cent", beklagt der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des deutschen Getränkefachgroßhandels, Günther Guder. Der Discounter Lidl habe bereits einen der führenden Mineralwasserbrunnen Deutschlands übernommen.

Kein Ende des Preisverfalls

"Der Absatz entwickelt sich besser als der Umsatz", sagt die Sprecherin des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen, Sandra Murphy. "Die Branche ist eben mittelständisch geprägt. Es schaffen nicht alle, dem Preisdruck standzuhalten." Der Billig-Trend gehe immer weiter, ein Ende des Preisverfalls sei nicht in Sicht und dass trotz Mehrwertsteuererhöhung in diesem Jahr.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, rät Guder der deutschen Mineralwasserindustrie, mehr für die Marke Wasser zu werben. "Mineralwässer werden in Deutschland nicht gut vermarktet. Fragen sie die Verbraucher nach bekannten Mineralwasserfirmen, dann hören sie meist französische Namen, wie Evian, Vittel oder Volvic." Außerdem hofft Guder auf einen Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern: "Hin zur Regionalität als Gegenbewegung zur Globalisierung." Sonst gehe die Mineralwasserbranche in Deutschland gänzlich kaputt. (mit dpa)

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