Wirtschaft : Mini-Jobs sind nicht genug

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Von Carsten Brönstrup

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten vom deutschen Arbeitsmarkt. Zwar wird die Bundesagentur für Arbeit am heutigen Donnerstag bekannt geben, dass die Arbeitslosenzahlen erneut gestiegen sind – vor allem wegen des Winters. Bald aber dürfte sich das Blatt wenden, erwarten Wirtschaftsforscher. Der Konjunkturaufschwung werde schon ab dem Sommer zu mehr Beschäftigung führen, sagen sie. Das ist beachtlich – bislang war in Deutschland ein Wachstum von mindestens zwei Prozent nötig, damit sich auf dem deutschen Stellenmarkt etwas regte. Neuen Berechnungen zufolge ist diese Schwelle nun auf ein Prozent abgesunken. Das ist eine Folge der jüngsten Reformen, die die Bundesregierung beschlossen hat. Mit anderen Worten: Sobald der Aufschwung kommt, profitieren auch die Arbeitslosen davon. Die Angst vor einem Wachstum ohne neue Jobs erscheint unbegründet.

Ein Ende der Massenarbeitslosigkeit ist dennoch nicht in Sicht. Denn die Konjunkturerholung wird zumindest in diesem Jahr zu schwach bleiben, um eine großen Zahl von Beschäftigungslosen in Arbeit zu bringen. Und die neuen Jobs sind nur ein Anfang – lösen die Probleme des deutschen Sozialstaats aber nicht. Denn es werden vor allem so genannte Mini-Jobs entstehen. Sie machen den Arbeitsmarkt zwar einerseits flexibler, weil sie den Betrieben Einstellungen erleichtern. Andererseits sorgen die beitragsermäßigten Mini-Jobs aber nicht dafür, dass ausreichend frisches Geld in die Sozialkassen fließt. Das aber ist dringend nötig, damit die Sozialbeiträge nennenswert sinken können. Nötig sind also ein paar Hunderttausend vollwertige 40-Stunden-Jobs – das wäre eine richtig gute Nachricht.

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