Wirtschaft : Mini-Zigarettenpackungen sollen verboten werden

Industrie verzeichnet deutlichen Absatzrückgang im Januar

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Berlin (ce). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will kleine Zigarettenpackungen verbieten. „Die Mindestgröße wird bei 17 Zigaretten liegen“, kündigte Schmidt am Mittwoch an. Außerdem solle untersagt werden, Zigaretten kostenlos zu Werbezwecken zu verteilen oder sie einzeln zu verkaufen. Nach Angaben des Ministeriums soll der Gesetzentwurf in der kommenden Woche den rotgrünen Koalitionsfraktionen zugeleitet werden. Um vor allem Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, sollen darüber hinaus bis zum Jahr 2007 Zigarettenautomaten umgerüstet werden. Dann könne man nur noch mit einer „speziellen Karte“ und nicht mehr mit Münzen zahlen, erläuterte Schmidt.

Ziel der Bundesregierung sei es, den Einstieg in den Zigarettenkonsum zu erschweren. In der rot-grünen Koalition gibt es Befürchtungen, dass die Zigarettenhersteller mit Kleinstpackungen Jugendliche stärker zum Rauchen animieren wollen. Damit wollten die Konzerne verhindern, dass junge Menschen sich durch die Tabaksteuererhöhung vom Rauchen abschrecken ließen. Mit der Gesundheitsreform wird die Tabaksteuer in drei Schritten angehoben, am 1.März zunächst um 1,2 Cent.

Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) begrüßte die rot-grüne Initiative zu Kleinpackungen. Ein gesetzliches Verbot sei ein Schritt in die richtige Richtung, um den Zugang zu Tabakerzeugnissen für junge Menschen zu erschweren. „Gerade für die Jugend und deren ,schmales Budget’ sind Miniverpackungen von Zigaretten erschwinglich und damit verführerisch“, sagte Stewens dem Tagesspiegel. Aus ihrer Sicht werde damit der frühe Nikotinkonsum nur gefördert. Je früher junge Menschen mit dem Rauchen begönnen, so die Ministerin, umso schwerer werde der Ausstieg. Stewens appellierte an die Tabakindustrie, Miniverpackungen freiwillig zurückzunehmen.

Die Industrie bestreitet jedoch, speziell Jugendliche mit Kleinstpackungen locken zu wollen. Die 10er-Packungen hätten gerade mal einen Marktanteil von 0,2 Prozent, sagte der Geschäftsführer des Verbands der Cigarettenindustrie (VdC), Ernst Brückner, dem Tagesspiegel. Es gebe keinerlei Erkenntnisse, dass vor allem Jugendliche zu den Kleinstpackungen griffen, sagte er weiter. Brückner beklagt, dass die Hersteller schon vor der Tabaksteuererhöhung Absatzeinbrüche zu verzeichnen hätten. So seien im Januar nur noch 8,7 Milliarden Zigaretten verkauft worden, knapp 17 Prozent weniger als im Januar des Vorjahres (10,5 Milliarden). Der Geschäftsführer des Branchenverbands begründet dies damit, dass die Menschen schon vorsorglich nach Ausweichmöglichkeiten suchten – und auf unversteuerte Ware aus dem Ausland oder Schmuggelware umstiegen.

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liegt das durchschnittliche Einstiegsalter von Rauchern in Deutschland bei gut 13 Jahren. Vor allem bei Mädchen habe der Tabakkonsum in den vergangenen Jahren stark zugenommen, beklagt BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. Zwischen 1993 und 2001 habe sich der Anteil der Raucherinnen zwischen zwölf und 15 Jahren nahezu verdoppelt, von zwölf auf 21 Prozent.

Mit der Kampagne „Rauchfrei 2004“ will Ministerin Schmidt den Tabakkonsum reduzieren. Ihr Ministerium rechnet mit bis zu 100 000 Teilnehmern, die vom 1. Mai an vier Wochen freiwillig auf den Griff zur Zigarette verzichten wollen. Der Gewinner des internationalen Wettbewerbs kann sich auf 10 000 US-Dollar (rund 8000 Euro) Preisgeld freuen.

Die Kampagne im Netz:

www.rauchfrei2004.de

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