Wirtschaft : Minijobber sind Billigjobber

Böckler-Stiftung ermittelt Lohnabschläge / Anhebung auf 450 Euro geplant.

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Berlin - Firmen nutzen Minijobs gezielt, um ihre Personalkosten zu drücken. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Minijobber würden vielfach geringer bezahlt als andere Beschäftigte. 400- Euro-Jobs stellten auch keine Brücke in reguläre Beschäftigungsverhältnisse dar. „Der Minijob ist ein arbeitsmarktpolitischer Irrweg“, sagte Arbeitsmarktexpertin Dorothea Voss am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung neuer Studien der Stiftung zu dem Thema. Anders sieht das die schwarz-gelbe Koalition. Sie plant, die Verdienstgrenze für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse auf 450 Euro anzuheben.

Minijobber müssen keine Steuern und Abgaben zahlen, erwerben allerdings auch keine oder nur sehr geringe Ansprüche an die Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung. Arbeitgeber führen pauschal 30 Prozent an die Sozialversicherungen ab. Im Frühjahr 2011, aktuellere Zahlen liegen nach Angaben der Forscher nicht vor, war bereits jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis ein Minijob, insgesamt rund 7,3 Millionen. Für rund 4,8 Millionen Menschen, darunter vor allem Frauen (3,2 Millionen), stellten die Minijobs die einzige Erwerbstätigkeit dar. Wiederum 88 Prozent der Menschen, die als einzigen Erwerb einen Minijob haben, arbeiteten für einen Niedriglohn (siehe Grafik). Mehr noch: Sie verdienten brutto sogar weniger als ihre Kollegen. Die Forscher berufen sich dabei unter anderem auf Auswertungen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit, wonach Minijobber im Durchschnitt weniger als neun Euro brutto die Stunde verdienen – nicht einmal halb so viel wie Arbeitnehmer mit einer regulären Vollzeitstelle.

Lohnabschläge seien nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zwar verboten, Minijobber hätten bei gleicher Tätigkeit Anspruch auf gleiche Bruttostundenlöhne. Nach den Angaben der Forscher machen sich die Arbeitgeber jedoch die Tatsache zunutze, dass Minijobber brutto für netto verdienen, um den Lohn zu drücken. „Minijobs sind faktisch ein Steigbügel zur Personalkostensenkung“, sagte Arbeitsmarktexpertin Voss. Für Arbeitgeber sei es lukrativ, sozialversicherungspflichtige durch geringfügige Beschäftigung zu ersetzen. Besonders niedrig seien Bruttolöhne von Minijobbern, die aufstocken, also gleichzeitig Hartz IV beziehen. Dies seien immerhin zwölf Prozent aller geringfügig Beschäftigten.

Die Forscher schauten sich auch die Entwicklung über die Zeit an. Demnach sind Minijobs bei Frauen oft Teil „eines prekären Erwerbsverlaufs“, zu deutsch: Bei den Frauen reiht sich im schlimmsten Fall ein schlecht bezahlter Minijob an den nächsten, unterbrochen nur von Zeiten der Arbeitslosigkeit. Corinna Visser

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