Ministertreffen : G20 in Ankara

Am Freitag und Samstag treffen sich die Finanz- und Arbeitsminister der G20-Staaten in Ankara. Wie bereits Freitag klar wurde: Sowohl zur Zinspolitik als auch zur China-Krise wird hart um eine gemeinsame Linie gekämpft.

Das G20- Treffen in Ankara am 3. und 4. September 2015
Das G20- Treffen in Ankara am 3. und 4. September 2015Foto: AFP

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) tun sich schwer mit ihrer Antwort auf zwei große Herausforderungen für die Weltwirtschaft. Sowohl zur Zinspolitik als auch zu den von China ausgehenden Konjunkturrisiken wird beim Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs im türkischen Ankara hart um eine gemeinsame Linie gerungen. Einige Schwellenländer sehen den in den USA anstehenden Abschied von der ultra-lockeren Geldpolitik als größtes Risiko für die internationale ökonomische Entwicklung.

Vermutlich kein Druck auf die Fed

Sie konnten sich mit dieser Position aber nicht durchsetzen. Dies wurde am Freitag bei den Arbeiten am Kommunique der Konferenz deutlich. In dem Papier, das am Samstag nach Ende des Treffens veröffentlicht wird, werden zu den beiden Top-Themen kaum eindeutige Formulierungen zu finden sein, wie Delegierte sagten. Es werde vermutlich keinen Druck auf die US-Notenbank (Fed) geben, wegen möglicher negativer Folgen für Staaten wie Brasilien und Indien die angekündigte Zinsanhebung weiter hinauszuschieben. Auch konkrete Mahnungen an das von Börsenturbulenzen und einer Wirtschaftsabschwächung getroffene China seien nicht zu erwarten.

Viele Schwellenländer fürchten, durch eine US-Zinserhöhung werde es bei ihnen zum Abfluss von Kapital und zu wachstumsbremsenden höheren Kreditkosten kommen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigten hingegen Vorbehalte gegen die andauernde extrem laxe Geldpolitik. "Ich glaube, wir haben nicht zu wenig Liquidität in den Märkten und auch nicht zu wenig Schulden, sondern wir haben eher die Gefahr von Blasenbildung", sagte Schäuble. Weidmann äußerte im Reuters-Interview, die Erfahrungen auch in der Euro-Zone zeigten, dass mit billigem Geld allein nicht dauerhaft mehr Wachstum zu schaffen sei. Für große Unruhe an den Finanzmärkten sorgen derzeit auch Chinas ökonomische Probleme.

Die China-Entwicklungen stehen im Fokus

Beim G20-Treffen werde über die Entwicklungen in der Volksrepublik sicherlich intensiver diskutiert, sagte Schäuble. Für Weidmann liegt hier aber kein Anlass für Alarmstimmung. "Eine dauerhafte Gefahr für die Weltwirtschaft sehe ich darin nicht", sagte er. Im Bemühen, die Landeswährung Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufnehmen zu lassen, kann China auf Unterstützung in der G20 rechnen. Schäuble sagte, die Volksrepublik sei hier in die richtige Richtung gegangen. Auch Weidmann äußerte sich offen zur Debatte über eine Renminbi-Aufnahme. Wenn der Renminbi zur Welt-Reservewährung aufsteigt, würde dies einen enormen Prestigegewinn für China bedeuten. (rtr)


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