Wirtschaft : Minus-Zins für deutsche Staatspapiere Rekordrenditen

in Spanien und Italien.

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Berlin - Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verdient beim Schuldenmachen erneut Geld. Die Auktion von Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Laufzeit spülte dem Bund am Montag 3,29 Milliarden Euro in die Kasse. Die Investoren nahmen dafür sogar eine Rendite von durchschnittlich minus 0,0344 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur sprach von einer positiven Resonanz der Anleger in einem sehr unruhigen Marktumfeld. „Das ist die bisher höchste negative Rendite bei Geldmarktinstrumenten“, sagte ein Sprecher.

Die Zinsen für Bundeswertpapiere sind zuletzt wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa in den Keller gerauscht. Während Spanien und Italien Investoren nur noch mit hohen Zinsen zum Kauf von Staatsanleihen locken können, gelten deutsche Papiere als sicherer Hafen. Anleger sind deshalb bereit, deutliche Abschläge bei der Rendite hinzunehmen.

Vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montagnachmittag trübte sich die Lage an den Anleihemärkten Spaniens und Italiens deutlich ein. In Spanien, das wegen der geplanten Hilfen für die Kreditinstitute bei der Zusammenkunft in Brüssel ein Hauptthema sein wird, stieg die Rendite für zehnjährige Staatspapiere im Vormittagshandel erstmals seit Mitte Juni wieder über die Marke von sieben Prozent. Das Überschreiten der Schwelle gilt als kritisch, weil die Refinanzierungskosten dann in einen längerfristig nicht tragbaren Bereich vordringen. Italienische Papiere gleicher Laufzeit rentierten unterdessen mit mehr als sechs Prozent.

Während die Zehnjahresrendite in Spanien um 15 Basispunkte auf 7,02 Prozent zulegte, kletterte der Effektivzins für zehnjährige italienische Anleihen um 14 Basispunkte auf 6,14 Prozent. In den kürzeren Laufzeiten waren die Renditeanstiege in etwa doppelt so groß. Für zwei Jahre muss Spanien derzeit fast fünf Prozent Zinsen bieten, Italien rund vier Prozent.

Investoren auf dem deutschen Markt für Staatspapiere hatten bereits im Januar bei einer Emission eine negative Rendite in Kauf genommen und zahlten dem Bund damit faktisch ein Prämie. In Frankreich gewährten die Käufer von Staatsanleihen mit Laufzeit von 13 und 24 Wochen dem Staat ebenfalls eine minimale Prämie – die negative Rendite lag hier bei 0,005 und 0,006 Prozent.

Ob Bundesfinanzminister Schäuble auch künftig mit einer Prämie rechnen kann, ließ die Finanzagentur offen. „Da muss man abwarten“, sagte der Sprecher. „Wir haben historisch niedrige Zinsen. Auch Bundeswertpapiere folgen der allgemeinen Marktentwicklung.“ Der Bund will sich 2012 rund 255 Milliarden Euro am Kapitalmarkt holen. rtr/dpa

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