Wirtschaft : Mit 360 Sachen durch den Garten

Freiluftspiele: Neuheiten sind rar – Freizeitspieler bevorzugen Bekanntes wie Krocket oder Boule

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Von Maurice Shahd

Krocket ist eine Mischung aus Freiluft-Billard, Schach und Golf, sagt Jörn Vinnen, Vorsitzender des Deutschen Krocket-Bundes: „Billard, weil man die Kugel in ein Ziel bringen muss, Schach, weil man mehrere Züge im Voraus planen sollte, und Golf, weil der Spieler den Schläger schwingt." Krocket fordert aber nicht nur die Geschicklichkeit der Spieler: „Ein Tor auf zehn Meter Entfernung zu treffen, das nur wenige Millimeter größer ist als der Ball, erfordert hohe Konzentration. Am Ende entscheidet die mentale Stärke über Sieg oder Niederlage", sagt Vinnen.

Nach Ansicht von Corinna Printzen vom Verband der Deutschen Spielwarenindustrie gehört Spielen zu den Urtrieben des Menschen: „Den anderen zu übertreffen, mit Geschicklichkeit, Intelligenz oder Ausdauer – das steckt in jedem von uns." Egal ob mit Klassikern wie Krocket, Boule und Federball oder Neuerungen wie Frisbee oder dem „Schnurtennis" Tokari – die Hersteller verstehen es, den Spieltrieb von Groß und Klein zu befriedigen. „Besonders beliebt sind die einfachen Spiele für die ganze Familie, die man im Sommer im Garten, im Park oder am Strand spielen kann", sagt Prinzen. Dabei müsse man noch nicht einmal viel Geld ausgeben. Ein Ball, eine Frisbee-Scheibe oder ein Springseil sind schon für wenige Euro zu haben. Ein einfaches Krocket-Set mit vier Schlägern und vier Bällen kostet 25 Euro. Ziel des Spiels ist es, einen am Boden liegenden Ball mit einem hammerförmigen Schläger durch mehrere Tore zu bugsieren. Allerdings können Krocket-Spieler bei den billigen Schlägern keine hohen Anforderungen an das Material stellen. Für bessere Ausrüstungen muss man mindestens 200 Euro hinblättern.

Jagd auf das „Schweinchen“

Während das aus England stammende Krocket in Deutschland noch auf seinen Durchbruch wartet, ist das französische Boule hier zu Lande schon zu einer wahren Massenbewegung geworden. Mehr als 12 000 Spieler sind nach Angaben des Deutschen Boule-Verbandes sogar in Vereinen organisiert, die Landes- und sogar Weltmeisterschaften austragen. Boule ist aber in erster Linie ein Freizeitspiel für jedermann. Auch in vielen Parks Berlins werfen die Boule-Spieler die chromglänzenden Kugeln, um damit das „Schweinchen" zu treffen. „Die Zielkugel ist ein kleiner Holzball, den die Franzosen Cochonnet nennen – zu Deutsch Schweinchen", erläutert Matthias Schmitz, Betreiber der Webseite Berlinboule.de. Boule kann Eins gegen Eins oder als Doppel gespielt werden. Eine Mannschaft wirft das Schweinchen und versucht dann, die erste Kugel so nah wie möglich an der Zielkugel zu platzieren. Dann wirft die andere Mannschaft so lange, bis sie eine Kugel platziert hat, die näher am Schweinchen ist. Dabei können die Kugeln des Gegners auch weggeschossen werden. „Boule ist ein sehr geselliges Spiel, das aber sportlicher ist, als mancher denkt. Spielt man über mehrere Stunden, hat man schnell einige hundert Kniebeugen in den Beinen", sagt Schmitz. Übrigens: Eigentlich heißt Boule in Frankreich Pétanque. Beim Original-Boule machen die Spieler einen Ausfallschritt und werfen die Kugeln über größere Entfernungen.

Teuer ist der Einstieg ins Boule-Spiel nicht. Günstige Sets mit den obligatorischen sechs Kugeln, dem Schweinchen und einer Tasche sind schon ab zehn Euro zu haben. Wer es ganz billig und für Kleinkinder ungefährlich mag, kann auch zu den Boccia-Kugeln aus Plastik greifen, die nur 2,99 Euro kosten. Allerdings haben die Sparkugeln, auch die aus Stahl, ihre Nachteile: „Die hüpfen und zerkratzen schnell", sagt Boule-Experte Schmitz. Bessere Wettkampfkugeln kosten ab 40 Euro.

Spiele von Wikingern und Indios

Den Erfolg von Traditionsspielen wie Boule oder Federball erklärt Corinna Printzen vom Spielwarenverband damit, dass die Spiele einfach zu lernen und weit verbreitet sind. Echte Innovationen sind dagegen selten. „Die Hersteller verstehen es aber, altbekannte Spielgeräte wieder neu aufleben zu lassen", sagt Werner Lenzener, Sprecher des Marktforschungsinstituts Eurotoys. So war in diesem Jahr der Hula-Hoop-Reifen bei den Mädchen wieder „total angesagt". Lenzener: „Der Hüftreifen des Jahres glitzert oder ist mit Wasser gefüllt." Preis: ab elf Euro.

Nur vermeintlich neu sind Spiele, die wie die Frisbee-Scheibe aus den USA oder der Bumerang aus Australien nach Deutschland kommen. In ihren Heimatländern haben die Spielgeräte eine lange Tradition. So stammt Indiaca aus Brasilien, wo es von den indianischen Ureinwohnern gespielt wurde.

Eine echte Innovation ist Speedminton: eine Mischung aus Tennis und Badminton. Die Federbälle (Speeder) aus Kunststoff erreichen Geschwindigkeiten bis zu 360 Stundenkilometer. Der Clou: Speedminton kann mit einem Leucht-Federball auch in der Nacht gespielt werden. Ein Set mit zwei Schlägern, Tasche und Federbällen ist ab etwa 79 Euro zu haben.

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