Wirtschaft : Mit Aktienfonds legal am Fiskus vorbei

FRANK WIEBE (HB)

Auch 1997 bleibt ein großer Teil der Erträge steuerfreiVON FRANK WIEBE (HB)

Erfahrene Finanzberater geben Neulingen gern den Rat: "Wenn ein Kunde Steuern sparen kann, kauft er Ihnen alles ab." In der Tat: Bei ganzen Branchen wie Lebensversicherungen und Bausparkassen, dazu kommt ein großer Teil der Beteiligungsangebote am grauen Kapitalmarkt, spielen Steueranreize im Vertrieb eine Schlüsselrolle.Die deutschen Fondsgesellschaften hingegen, die das Marketing gerade erst richtig entdecken, sind da viel zurückhaltender.Dabei bieten auch Fonds Steuervorteile. Allen voran die Aktienfonds.Sie profitieren davon, daß die Kurssteigerungen der Aktien und damit der Löwenanteil der Rendite steuerfrei sind.Das gilt für Aktien, die der Anleger direkt kauft, wenn er sie länger als sechs Monate behält.Wenn der Fondsmanager die Titel kauft, muß er diese Spekulationsfrist nicht einhalten (der Anleger aber beim Kauf und Verkauf des Fondsanteils).Beide Regelungen - die grundsätzliche Steuerbefreiung der Aktie und die Sonderregelung für Fonds - standen im ablaufenden Jahr schon auf der Kippe; mit dem Scheitern der großen Steuerreform haben sie aber vorerst überlebt.Wie wirkt sich das in der Praxis aus? Aus Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) errechnet sich, daß 1996 bei vielen deutschen und internationalen Aktienfonds die Rendite zu rund 90 Prozent steuerfrei war.Im laufenden Jahr dürften diese Werte eher noch übertroffen werden.Denn 1996 hat der Deutsche Aktienindex um 28 Prozent zugelegt, 1997 sind dagegen immer noch rund 40 Prozent möglich.Bei den ausländischen Aktienmärkten gab es, sieht man von Asien ab, ebenfalls sehr hohe Kurssteigerungen.Je höher die Kurssteigerungen, desto größer der steuerfreie Anteil an der Rendite.Dieser Effekt wirkt sich dramatisch aus: Bei einem Spitzensteuersatz von 40 Prozent etwa entspricht eine zu 90 Prozent steuerfreie Rendite von 20 Prozent (1997 wäre das für einen Aktienfonds ein eher schwaches Ergebnis) einer normalen, voll versteuerten Rendite von gut 32 Prozent.Das Rechenbeispiel unterstreicht noch einmal den Renditevorteil von Aktien und Aktienfonds gegenüber anderen Anlageformen in guten Börsenjahren. In schlechten Jahren kann die Rechnung freilich auch ganz anders aussehen.Denn versteuert werden müssen in jedem Fall die Ausschüttungen der Aktiengesellschaften (Dividenden plus Körperschaftsteuergutschriften).Fallen gleichzeitig die Kurse, dann können die Verluste daraus nicht mit den Ausschüttungsgewinnen verrechnet werden.In einem schwachen Aktienjahr kann es also passieren, daß der Anleger Erträge versteuern muß, obwohl er unterm Strich Verluste erleidet.1998 wird nach Meinung vieler Börsenexperten zwar nicht unbedingt eine Verluststrecke, aber eher ein mickriger Aktienjahrgang. Den langfristigen Anleger sollte aber eher der Blick auf große Zeiträume faszinieren: In den vergangenen 10 Jahren hat sich der Dax (der Dividenden und Kurssteigerungen enthält) etwa vervierfacht, das entspricht einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich knapp 15 Prozent.Da fragt man sich, ob Leute, die ihr Geld ins Ausland schaffen und dort mit 5 Prozent Zins anlegen, richtig kalkulieren: Denn nicht nur Kursschwankungen sind ein Risiko, sondern auch die Steuerfahndung.Wer sich mit Aktien dennoch nicht anfreunden mag, kann auch auf einen offenen Immobilienfonds ausweichen.Bei diesen Produkten sind die eher bescheidenen Renditen oft zu mehr als 40 Prozent steuerfrei.In Einzelfällen, wenn der Fonds vor allem im Ausland anlegt, kann die Quote höher sein bis zu 100 Prozent.Immobilienfonds haben allerdings meist recht hohe Ausgabeaufschläge (5 Prozent), so daß sich, ebenso wie bei Aktienfonds, eine kurzfristige Anlage kaum lohnt.

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