Wirtschaft : Mit Asterix, dem kleinen Prinzen und Jeanne Moreau telefonieren

Große Werbekampagne für die Privatisierung der französischen Telekom beginnt / Überkreuzbeteiligung mit den Deutschen angestrebt

PARIS (AFP).Der französische Telekom-Anbieter France Telecom verläßt sich bei der Werbekampagne für seinen Börsengang nicht nur auf einen einzigen Mann.Im Unterschied zur Deutschen Telekom, die vor einem Jahr ganz auf den Schauspieler Manfred Krug gesetzt hatte, bietet der französische Noch-Staatsbetrieb gleich eine Vielzahl von echten und erfundenen Figuren auf.Für den Kauf der französischen T-Aktie werben unter anderem der frühere Weltklasse-Tennisspieler Yannick Noah, die Leichtathletik-Olympiasiegerin Marie-Jose Perec und die Schauspielerin Jeanne Moreau.Aus dem Reich der Fiktion kommen der Gallier Asterix und "Der kleine Prinz", die Romanfigur von Antoine de Saint-Exupéry, hinzu.Für die Kampagne sind insgesamt 150 Mill.Franc (knapp 45 Mill.DM) eingeplant.Vorstandschef Michel Bon hat sich zum Ziel gesetzt, zwei Millionen Franzosen zum Aktienkauf zu bewegen. Das Finanz- und Wirtschaftsministerium gab am Montag in Paris bekannt, daß die Aktie für private Kleinanleger zwischen 165 und 185 Franc kostet, umgerechnet 49,50 DM bis 55,50 DM.Institutionelle Anleger müssen fünf Franc (knapp 1,50 DM) mehr zahlen.Die Aktie ist damit teurer als die meisten Analysten erwartet hatten.Vorbestellungen sind von diesem Dienstag an möglich, der genaue Preis wird dann am 6.Oktober bekanntgegeben. Mit der Deutschen Telekom wollen sich die Franzosen bis zum Jahresende über den geplanten Aktientausch einig werden.Der Aktientausch solle dann im zweiten Quartal 1998 erfolgen.Die französische Linksregierung strebt eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von 7,5 Prozent des jeweiligen Kapitals an, wozu in Frankreich eine Kapitalerhöhung notwendig sein wird. Bon bezeichnete die deutsch-französische Telekom-Allianz als "solider denn je".Mit dem Aktientausch solle gewährleistet werden, "daß jeder der erste Partner des anderen ist".Dazu reiche eine "symbolische Beteiligung" von ein oder zwei Prozent nicht aus, andererseits dürfe auch nicht zuviel Geld investiert werden."Die gute Ziffer zwischen Überfluß und Symbolik befindet sich zwischen fünf und zehn Prozent." Die Deutsche Telekom hat bisher zurückhaltend auf das Angebot der Franzosen reagiert.Beide Unternehmen sind bereits seit 1988 verbunden.Gemeinsam halten die beiden Unternehmen 20 Prozent der US-Gruppe Sprint. Vom Börsengang der France Telecom erhofft sich der Staat Einnahmen in einer Größenordnung von 40 Mrd.Franc.Für Privatanleger werden rund 20 Prozent des Kapitals bereitgehalten, für die Belegschaft sind zwischen drei und vier Prozent reserviert.Der Staat soll aber mit einem Anteil von etwa 63 Prozent Mehrheitsaktionär bleiben. Bis zum 1.Januar ist die Telecom in Frankreich noch der einzige Universalanbieter von Telekommunikations-Dienstleistungen.Aus Protest gegen die Teilprivatisierung haben drei der sechs großen Gewerkschaften des Unternehmens für den 30.September zu Streiks und Demonstrationen aufgerufen.

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