Wirtschaft : Mit Auszeichnungen für Manager wird nicht gegeizt

TIM KÖHLER

Ein Image-Gewinn ist allen Beteiligten sicher / Vor späteren Pleiten schützt der Ruhm nicht / Es gibt auch "Negativpreise"VON TIM KÖHLER BERLIN.Preise sind etwas Schönes, solange sie etwas Besonderes sind."Inzwischen gibt es eine wahre Flut von Auszeichnungen für Unternehmen und Manager.Da kann unmöglich jemand den Überblick haben", erklärt ein Sprecher des Bonner Wirtschaftsministeriums.Prämiert werden erfolgreiche und innovative Unternehmer und Unternehmerinnen, aber auch Firmen, nach ganz unterschiedlichen Kriterien von verschiedensten Organisationen und Zeitschriften.Eine der bekanntesten Auszeichnungen ist der Titel "Unternehmerin des Jahres".Seit 14 Jahren vergibt das Champagnerhaus Veuve Clicquot Import GmbH ihn an besonders erfolgreiche Unternehmerinnen.Dieses Jahr wurde die Geschäftsführerin der Domicil Einrichtungshaus GmbH in Weingarten, Birgitta Jaeggle, ausgezeichnet."Anfang Oktober werden sich alle bisherigen Siegerdamen in Reims treffen und einen Weinstock auf ihren Namen taufen.Einen Geldpreis vergeben wir nicht", sagt eine Sprecherin des Champagnerhauses."Ob es noch andere Preise für Unternehmerinnen gibt, darüber wissen wir nichts", erklärt eine Sprecherin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen in Köln auf Anfrage.Ein ganz neuer Unternehmenspreis ist der "Ludwig-Erhard-Preis".Er wird verliehen von den Spitzenverbänden der deutschen Industrie.Aufgrund ausgesuchter Kriterien wie Führungsverhalten, Mitarbeiterorientierung und Unternehmenspolitik, sollen Unternehmen damit zu stärkerer Kundenorientierung angeregt werden.Erster Preisträger im vergangenen Jahr war übrigens ein Berliner Unternehmen: der Aufzughersteller Otis GmbH.Einen von vielen neuen "Innovationspreisen" in Deutschland vergibt die Fachzeitschrift "Immobilien Manager" für optimale Bauprozesse und den Einsatz neuer Techniken.Erste Preise 1997 erhielten die Instag AG für eine neue Solarwohnsiedlung und die Concept Bau für das Modell "kostengünstiger Wohnungsbau".Größter Innovationspreis in Deutschland ist die "Aktion Münsterland".Sie vergibt seit drei Jahren Preise für besonders gute Koordination zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.Im vergangenen Jahr nahmen 115 - meist mittelständische - Betriebe an diesem Wettbewerb teil.Für sie sind nicht die geringen Preisgelder interessant - es ist vielmehr der mögliche Imagegewinn, der die Unternehmen zur Teilnahme an solchen Wettbewerben bewegt.Besonders viele Titel werden von Fachzeitschriften vergeben.Die Zeitschrift "manager magazin" vergibt die Auszeichnung "Manager des Jahres", die Zeitschrift "capital" den "Öko-Manager des Jahres" - 1997 war dies Claus Hipp, Gesellschafter der Hipp KG in Pfaffenhofen - sowie den "Investor-Relation-Manager des Jahres".Die Zeitschrift "DM" vergibt seit 1995 jährlich den Preis für den erfolgreichsten "Fondsmanager des Jahres".Bei solch einer Fülle von Preisen verwundert es nicht, daß keine Behörde oder Organisation im Besitz einer vollständigen Liste aller Unternehmenspreise ist, die in Deutschland verliehen werden.Häufig sind die Preise auch nur regional bedeutsam.Das Land Nordrhein-Westfalen zum Beispiel vergibt seit 1997 einen "Recycling Preis" für Unternehmen aus der Baubranche mit besonders umweltfreundlichen Ideen.Allerdings nur für Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen.Wenn die Freude über die Preise auch groß ist, sie schützen die prämierten Unternehmen nicht vor späteren Pleiten.Der Geschäftsführer des Berliner High-Tech-Unternehmen Acotec, Andreas Müller, bekam noch 1995 die Auszeichnung zum "Unternehmer des Jahres" von der Berliner Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer verliehen.Nicht einmal drei Jahre später, Mitte vergangener Woche, meldete das einstige Berliner Vorzeigeunternehmen Konkurs an.Laut Aussagen der Geschäftsführung waren für die Pleite aber nicht Management-Fehler verantwortlich, sondern "eine Verkettung ungünstiger Umstände".Ein weiteres trauriges Beispiel: Die ostdeutsche "Unternehmerin des Jahres 1993", Martina-Elvira Lotzmann aus Leipzig, ging 1997 pleite.Es gibt übrigens auch "Negativpreise": Jedes Jahr werden auf der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt besonders dreiste Fälle geistigen Diebstahls prämiert: Der erste Preis "Plagiat des Jahres" ging 1998 an die Chenhai Chongjin Industry Group aus China für das Plagiat einer Isolierkanne der Leifheit AG.

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