Wirtschaft : Mit Bankaktien 1998 auf der richtigen Seite

IM INTERVIEW - Bankanalyst der Commerzbank Dieter Hein

Spekulationen über weitere Fusionen beflügeln die Aktien deutscher Kreditinstitute.Wer übernimmt wen? Was bringt in dieser Hinsicht das Bankenjahr 1998? Martina Ohm fragte den Bankanalysten der Commerzbank Dieter Hein. TAGESSPIEGEL: Herr Hein, die Bankenfusion in der Schweiz hat die Gerüchteküche kräftig angeheizt.Ist der Zusammenschluß von Bankverein und Bankgesellschaft ein Vorbote für weitere Megafusionen in Europa und Deutschland? HEIN: Es ist kein Vorbote.Wir stecken vielmehr mittendrin im Konzentrationsprozeß.Allerdings hat dieser Prozeß Deutschland relativ spät erreicht.Im übrigen geht es hier nicht nur um Banken, es geht auch um Versicherungen.Die Bereiche wachsen zusehends zusammen. TAGESSPIEGEL: In Deutschland hat die Ankündigung der Bayern-Bankenehe für Schlagzeilen gesorgt.Was bringt 1998? HEIN: Das Fusionsthema bleibt uns 1998 erhalten.Allerdings muß man dazu sagen: 1997 hat sich hier mehr bewegt als in den 20 Jahren zuvor.Und 1998 werden wir unter dem Dach der Münchner Rück mit Ergo eine neue Nummer zwei im Erstversicherungsgeschäft und im deutschen Bankensektor eine neue Nummer zwei und drei haben: die Bayernbank und die erweiterte Bankgesellschaft Berlin. TAGESSPIEGEL: Glauben Sie, daß die Fusion der Bankgesellschaft Berlin mit der NordLB in trockenen Tüchern ist? HEIN: Nein, aber wahrscheinlicher als noch vor einem Jahr. TAGESSPIEGEL: Und Sie glauben, daß sich ein Zusammenschluß von Berlin und Hannover bezahlt macht? HEIN: Nein, die geplante Konstruktion bringt betriebswirtschaftlich gesehen nur geringe Vorteile. TAGESSPIEGEL: Wo gäbe es Vorteile? HEIN: Eine Kombination zum Beispiel von Allianz, Dresdner Bank und der neuen Bayernbank könnte dagegen durchaus sinnvolle Synergieeffekte ergeben. TAGESSPIEGEL: Könnte ein solcher Zusammenschluß den Segen des Kartellamtes finden? HEIN: Sie müssen sich die Marktanteile vor Augen halten.In Deutschland dominiert mit 50 Prozent der öffentlich-rechtliche Bankensektor, im Privatkundengeschäft hat zum Beispiel die größte deutsche Geschäftsbank, die Deutsche Bank, nur einen Marktanteil von fünf Prozent.Marktanteile von unter 25 Prozent dürften kartellrechtlich unbedenklich sein. TAGESSPIEGEL: Ein Blick nach Asien, vor allem nach Japan, wo die größten Bankhäuser zu Hause sind, zeigt, daß Größe um jeden Preis nicht vor Rückschlägen schützt.Trotzdem hält der Trend zu immer größeren Zusammenschlüssen an.Wie erklären Sie sich das? HEIN: Japan ist sicher ein Sonderfall.Grundsätzlich gilt: durch die Globalisierung der Märkte wächst das Absatzpotential der Banken, auf der anderen Seite müssen sie aber auch selber wachsen, um das Potential zu heben.Und das geht im In- und Ausland über den Zukauf von Marktanteilen und das heißt Übernahmen. TAGESSPIEGEL: Welchen Banken und welchen Aktien räumen Sie 1998 Chancen ein? HEIN: Zur Commerzbank kann ich als Mitarbeiter natürlich nichts sagen.Aber wir empfehlen aus den genannten Gründen die Bayerische Vereinsbank, Dresdner Bank sowie Deutsche Bank.Dabei ist die Deutsche Bank aus drei Gründen interessant: das Haus dürfte früher oder später eine US-Investmentbank kaufen, will die Anteile an Gerling und Nürnberger aufstocken und natürlich bleiben die Fusionsspekulationen.

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