Wirtschaft : Mit Brief und Siegel

Pfandbriefe sind solide und krisenfest – dafür müssen Anleger bescheiden sein.

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Sie bieten hohe Sicherheit, internationale Reputation, dabei aber etwas mehr Rendite als deutsche Staatsanleihen. Pfandbriefe sind deswegen gefragt wie nie: Zum einen lockt die Tatsache, dass fünf- und zehnjährige Pfandbriefe im Schnitt etwa 0,5 Prozentpunkte mehr Rendite abwerfen als deutsche Staatsanleihen gleicher Laufzeit – und dies, obwohl Pfandbriefe mit einem zusätzlichen Fangnetz gegen Verluste abgesichert sind, deshalb auch als mündelsicher gelten.

Denn wer einen Pfandbrief herausgibt, muss das Geld der Anleger mit einer sehr konservativ berechneten Deckungsmasse versehen. Bei Hypotheken-Pfandbriefen etwa dürfen die Banken die Immobilien nur mit 60 Prozent ihres Beleihungswerts anrechnen. Dadurch entsteht ein komfortabler Puffer gegen einen Preisverfall an den Haus- und Wohnungsmärkten. Dass Investment-Profis, die Kundengelder anlegen müssen, gerne Pfandbriefe kaufen, hat vor allem mit der bevorzugten Position der Pfandbrief-Besitzer im Falle einer Pleite der ausgebenden Bank zu tun. Denn auf die Deckungsmasse, also die Sicherungspapiere, hat der Insolvenzverwalter keinerlei Zugriff. Wer einen Pfandbrief hält, wird also auch bei einer Pleite nie leer ausgehen.

Allerdings: Eine Garantie für die eingezahlten Gelder gibt es bei Pfandbriefen nicht. Bisher ist allerdings noch nie ein Anleger um sein Geld gekommen. Entwickelt sich etwa der Immobilienmarkt schlecht, so dass die gesetzlich vorgegebenen Beleihungsgrenzen unterschritten würden, müssten die Banken sofort nachschießen, erklärt Sascha Kullig vom Verband deutscher Pfandbriefbanken. Die Finanzaufsicht kontrolliere das auch.

Weil Pfandbriefe wie Staatsanleihen und andere Bonds an den Börsen gehandelt werden, können ihre Kurse während der Laufzeit erheblich schwanken. Aktuell profitieren Besitzer jedoch von der hohen Nachfrage bei knappem Angebot, so dass sich die Kurse oft in luftigen Höhen befinden. So notiert ein im Februar 2011 herausgegebener Hypotheken-Pfandbrief der Postbank mit noch gut achtjähriger Laufzeit inzwischen bei knapp 115, also etwa 15 Prozent höher als zum Ausgabekurs. Dadurch ist die Rendite trotz eines jährlichen Zinskupons von 3,625 Prozent auf 1,65 Prozent geschrumpft. Auch ein 2008 emittierter und noch bis 2023 laufender Pfandbrief der Bausparkasse Wüstenrot (Wertpapierkennnummer A0WL6C) war in diesem Jahr ein Renner: der Kurs stieg seit Oktober 2011 um 9,5 Prozent, hinzu kommt ein Zinskupon von 5,07 Prozent. Wer das Papier heute kauft, profitiert davon leider nicht mehr, denn der Kurs von knapp 128 lässt die Rendite auf 2,16 Prozent abschmelzen. Damit deckt der Pfandbrief nicht einmal den Wertverlust durch die aktuelle Inflation ab – allerdings sind die realen Verluste niedriger als bei einem Investment in deutschen Staatsanleihen.

Dass der Markt eng und Neuemissionen binnen Stunden ausverkauft seien, habe einen einfachen Grund, sagt Michael Schulz, Pfandbrief-Experte und Leiter des Anleihen-Research bei der NordLB: Das Geschäft mit öffentlichen Pfandbriefen, etwa für Kommunen, gehe stetig zurück, weil es für Banken zu margenschwach und damit nicht mehr rentabel sei. Allein der deutsche Markt für Pfandbriefe, der vor einigen Jahren noch gut eine Billion Euro schwer war, habe sich deshalb inzwischen halbiert, weiß auch Sascha Kullig.

Vor allem Versicherungen, die sicher anlegen müssen, nutzen Pfandbriefe dennoch ausgiebig. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft liegen Papiere im Wert von 256 Milliarden Euro in den Depots der Erstversicherer, knapp ein Viertel aller Assets. Kullig: „Deswegen ist praktisch jeder Deutsche in Pfandbriefen investiert, ohne es zu wissen“.

Für den einzelnen Anleger ist es schwer bis unmöglich, den Wert der Sicherheiten hinter dem Pfandbrief einzuschätzen. Bei Fonds profitiert der Anleger von der Expertise eines Fachmanns, kann zudem sein Risiko durch Anlage in ein Bündel von Pfandbriefen weiter reduzieren. Dafür fallen jedoch Kauf- und Managementkosten an. Der Allianz Pimco Pfandbrieffonds (WKN 972066) etwa warf seit 2002 insgesamt 47 Prozent ab, seit 2007 waren es gut 30 Prozent oder 5,43 jedes Jahr. Allein im zurückliegenden Jahr ging es 10,9 Prozent nach oben. Der DWS Covered Bonds (WKN 847653) aus dem Haus der Deutschen Bank schaffte mit knapp 20 Prozent binnen fünf Jahren deutlich weniger. Im laufenden Jahr kam ein Plus von 8,9 Prozent zustande. Beide Fonds haben ein Gutteil der Kundengelder auch außerhalb Deutschlands investiert. So hält das DWS-Papier etwa ein Viertel des Geldes in spanischen Cedulas.

Fonds, die ausschließlich in deutsche Pfandbriefe investieren, sind rar. Der passive Indexfonds (ETF) von i-Shares – der eb.rexx Jumbo-Pfandbriefe (263526), setzt auf die 18 größten und liquidesten deutschen Pfandbriefe (Jumbos). Seine Bilanz der letzten fünf Jahre: plus 27 Prozent. Der i-Shares Markit iBoxx Covered Bond (A0RFEE) kauft hingegen ebenfalls in ganz Europa Pfandbriefe, schaffte dafür aber seit seiner Gründung 2008 gut 29 Prozent. Der iBoxx Euro Germany Covered Index ETF (DBX0AX) von db x-trackers spiegelt den kompletten deutschen Pfandbriefmarkt wider, wobei nur große Papiere mit Volumina von mehr als einer Milliarde Euro berücksichtigt werden.

Wie andere Anleihen könnten Pfandbriefe allergisch reagieren, sollten die Marktzinsen wieder ansteigen. NordLB- Experte Schulz empfiehlt Anlegern, die ein Szenario steigender Zinsen für realistisch halten, von lang laufenden Pfandbriefen die Finger zu lassen und sich eher im Bereich von 2 oder 3 Jahren zu bewegen.

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