Wirtschaft : Mit Brieftauben zum globalen Medienplayer

Einst überbrachten Brieftauben Londoner Börsennachrichten. Heute, 156 Jahre später, ist die Agentur des Deutschen Immigranten Julius Reuter eine der größten Nachrichtenagenturen weltweit. Der Schwerpunkt liegt immer noch auf Finanzdaten.

Reuters-Zentrale in London
Informationen für die Welt - Die Reuters-Zentraledpa

London - 1851 eröffnete Reuter in der Londoner City, dem Bankenzentrum der Stadt, ein Büro, das Börsennotierungen zwischen der britischen Hauptstadt und Paris über Kabel vermittelte. Zuvor flogen dazu noch Brieftauben zwischen Aachen und Brüssel hin und her. Später erweiterte Reuters sein Finanz-Angebot um allgemeine Nachrichten. Der gute Ruf des Unternehmens festigte sich durch seine Exklusivmeldungen. Unter anderem meldete Reuters 1865 als erstes in Europa, dass US-Präsident Abraham Lincoln erschossen wurde.
90 Prozent mit Finanzdaten

 Auch wenn Reuters dem Allgemeinpublikum hauptsächlich durch Nachrichten bekannt ist, macht das Unternehmen 90 Prozent seines Umsatzes mit der elektronischen Überlieferung von Finanzdaten an Börsenprofis. Von den fast 17.000 Mitarbeitern sind "nur" 2400 Redakteure, Reporter, Fotografen und Kameraleute. 1984 ging Reuters an die Börse und durchlebte teils schwierige Zeiten. Die Aktie schoss während des Börsenbooms in die Höhe, stürzte aber 2001 ab. Magere Zeiten in der City und an der Wall Street zwangen viele Börsenhändler dazu, zwischen Reuters-Terminals und denen des US-Konkurrenten Bloomberg zu wählen. In den vergangenen Jahren schaffte Vorstandschef Tom Glocer den Umschwung, und der Kurs erholte sich wieder. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 2,57 Milliarden Pfund (3,78 Mrd Euro).

Murdoch musste Verkaufen

Um Unabhängigkeit und Integrität zu wahren, rief Reuters zum Börsengang die Founders Share Company ins Leben. Ihr sitzt Pehr Gyllenhammar vor, der ehemalige Chairman des Versicherers Aviva. Andere Schwergewichte sind Michael Checkland, Ex-Generaldirektor der BBC oder Uffe Ellemann-Jensen, Ex-Außenminister von Dänemark. Sie können mit einer so genannten "goldenen Aktie" Übernahmen blockieren und jeden, der mehr als 15 Prozent am Unternehmen hält, zwingen, den Anteil zu senken. Bisher machte die Founders Share Company aber nur einmal von ihrer Macht Gebrauch, damals musste Medienmogul Rupert Murdoch seinen 23- Prozent-Anteil herabsetzen. Der News-Corp.-Vorsitzende verkaufte letztlich all seine Anteile.

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