Wirtschaft : Mit Brot und Brötchen an die Börse

CLAUDIA STEINER

DÜSSELDORF .Brötchenkönig Heiner Kamps ist weiter auf Einkaufstour.Seit Jahresbeginn hat die Düsseldorfer Kamps AG mehrere mittelständische und kleine Bäckereiunternehmen aufgekauft und damit ihr Imperium vergrößert.Zum Kamps-Konzern gehören unter anderem die Bäckereien "Kamps" in Düsseldorf, "Nur Hier" in Hamburg, "Stefansbäck" in Freiberg, "Lecker Bäcker" in Kassel, "Nicolay" in Bonn und seit kurzem auch "Kautsch" in Mannheim und "Berns" in Kamp-Lintfort.Um das weitere Wachstum zu sichern, ging Kamps im April dieses Jahres als erster Bäcker in Deutschland an die Börse.

Mit gefüllten Kassen geht der Zukauf jetzt weiter."Derzeit laufen Verhandlungen mit fünf Unternehmen", sagt der 43jährige Vorstandschef Kamps.Die Gesellschaft will vor allem durch Akquisition wachsen."Es kommen eine Menge Betriebe auf uns zu, weil viele mittlere und kleine Unternehmen Nachfolgeprobleme haben." Der Filialist will seine Präsenz vor allem in Ballungszentren ausbauen.Ziel sei es, starke Marken für regionale Märkte zu etablieren.In Berlin, München und Frankfurt haben die Düsseldorfer den Einstieg in das Bäckerei-Geschäft bisher noch nicht geschafft.

Mit 675 Verkaufsstellen und 3167 Mitarbeitern ist Kamps der größte Bäckereifilialist in Deutschland.Bis zum Jahr 2002 will das Unternehmen die Zahl der Verkaufsstellen auf rund 1200 verdoppeln.Der Umsatz soll von 323,8 Mill.DM (1997) auf 430 Mill.DM in diesem Jahr und bis 2002 auf etwa eine Mrd.DM steigen.Beim Betriebsergebnis peilt Kamps sechs bis acht Prozent vom Umsatz an (1997: 4,8 Prozent).1997 erzielte der Konzern einen Jahresüberschuß von zehn Mill.DM nach 4,6 Mill.DM im Vorjahr.

Trotz der Konzentration müssen Einmann-Betriebe nach Ansicht des Managers nicht um ihre Existenz fürchten.Der Marktanteil der Filialisten sei "verschwindend gering"."Kleine Bäcker können gutes Geld verdienen, wenn sie die Nische besetzen - das sage ich als jemand, der selbst aus einem Ein-Mann-Betrieb kommt." Als ältester Sohn eines Bocholter Bäckers lernte Kamps - obwohl er lieber Sport studiert hätte - im Familienbetrieb, machte den Meister, eine Konditorlehre und studierte abends Betriebswirtschaft.

1982 machte sich Kamps in Düsseldorf mit einem Back-Shop selbständig, zehn Jahre später hatte er 20 Filialen.Schließlich verkaufte er sein Unternehmen - wie auch die Filialbäcker "Nur Hier" und "Stefansbäck" - an den US-Konzern Borden und baute für die Amerikaner die Bäckerei-Gruppe in Deutschland auf.Als die US-Firma vier Jahre später von der US-Investorengruppe Kohlberg Kravis Roberts & Co übernommen wurde, kaufte Kamps zusammen mit dem Management die Bäckerei-Kette auf.Durch das Management-Buy-Out entstand die BBG Bäckerei Beteiligungsgesellschaft mbH, aus dieser ging 1997 die Kamps AG hervor.

In einer ersten Bilanz zeigte sich Kamps mit dem Börsengang zufrieden.Nach einem anfänglichen Rutsch von 49 DM (Emissionspreis) auf etwa 45 DM stablisierte sich der Aktienkurs und lag am vergangenen Freitag bei 80 DM."Die Leute erkannten am Anfang den Charme des Handwerks nicht", sagt Kamps, der zehn Prozent der Anteile hält.Der richtige Börsenplatz für ein traditionelles Unternehmen wie Kamps sei der Amtliche Handel, sagte der Bäckermeister.An den Neuen Markt wollte das Unternehmen nicht gehen."Der Neue Markt ist eine Welle, da reitet im Moment jeder drauf."

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