Wirtschaft : Mit dem Euro sind die Preise bundesweit gestiegen

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Im Zuge der Euro-Einführung sind die Preise im Handel und bei Dienstleistungen in Deutschland im Schnitt eher erhöht als gesenkt worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bundeszentrale der 16 deutschen Verbraucherzentralen, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Im Einzelhandel gab es Verteuerungen um bis zu 40 Prozent. Hersteller und Geschäfte haben Artikel bereits im Sommer vergangenen Jahres verteuert, um sie mit der Euro-Umstellung zu Jahresbeginn wieder demonstrativ zu senken - erst aufschlagen, dann abrunden. Letztlich liegen die Kosten aber immer noch höher als im Sommer des Vorjahres. "Der Handel hat die Preise strategisch verändert. Die Studie zeigt, dass das Gefühl, es sei vieles teurer geworden, den Verbraucher nicht trügt", sagt Euro-Expertin Karin Kuchelmeister.

Um die Kostenentwicklung im Zuge der Währungsumstellung zu beobachten, haben die Verbraucherschützer zwischen Juni 2001 und Februar 2002 alle sechs Wochen das selbe Produkt im gleichen Geschäft beobachtet beziehungsweise Dienstleistungen verglichen. Von den bundesweit 822 untersuchten Produkten - vom T-Shirt bis zum Mundwasser - wurde fast ein Drittel um bis zu 39 Prozent teurer. Beispiel "Abtei Kieselerde Forte Kapseln": Im Juni 2001 wurden umgerechnet noch 2.94 Euro verlangt, im Dezember waren es 4.09 Euro. "Schultheiss Bier" kostete im Sommer 2001 noch 1.79 Euro, im Februar 2002 musste der Kunde zwei Euro bezahlen. Erst teurer - und dann wieder billiger, aber nicht so günstig wie anfangs: Nach diesem Prinzip wurde etwa bei einem Sektkelch verfahren. Von 2,53 Euro auf 3,55 Euro - und wieder 2,95 Euro.

Im Einzelhandel gab es der Verbraucherzentralen-Studie zufolge aber auch Preissenkungen, und zwar bei 27,9 Prozent der untersuchten Produkte um bis zu 18 Prozent. Bei der Dose "Bärenmarke Leichte 4" fiel der Preis von 61 auf 50 Cent, "Dr. Oetker Milchreis" kostete im Juni 1,15 Euro, jetzt steht 99 Cent auf dem Preisschild.

Verglichen haben die obersten Verbraucherschützer zudem Angebote auf dem Dienstleistungssektor - und kamen zu dem Ergebnis, dass hier wiederum pünktlich zum 1. Januar an der Preisschraube gedreht wurde. 200 Dienstleistungen kamen unter die Lupe. 130 davon sind jetzt teurer - und kosten teils fast um die Hälfte mehr. Eine Reinigung erhöhte Schritt für Schritt: Für Hosen wurden erst 3,04, dann 4,35 und letzlich 4,50 Euro verlangt.

Die EU-Kommission zog ein positives Fazit der Umstellung auf den Euro. Sie habe in allen Euro-Ländern reibungslos geklappt, berichtete die Kommission in Brüssel.

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