Wirtschaft : Mit dem nötigen Kleingeld unterwegs

ROLF OBERTREIS

Die Experten der Commerzbank wissen es genau. Die Frage nach dem günstigsten Ort für den Geld-Tausch von Währungen der Europäischen Währungsunion (EWU)habe seit 1. Januar 1999 keine Bedeutung mehr. Grund: Die Kurse der zehn Währungen sind seit Jahresanfang fest an den Euro gekoppelt und haben damit auch untereinander feste Kauf- und Verkaufskurse - im In- und Ausland. Das entspricht nicht ganz der Wahrheit: Natürlich sind die Kurse festgezurrt, aber wer Deutsche Mark in eine andere EWU-Währung tauschen will, wird weiterhin von Banken und Sparkassen zur Kasse gebeten.Gerade wer kleinere Beträge tauscht, zahlt nach Erkenntnissen der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher (AgV) hierzulande bei den Kreditinstituten zum Teil stolze Gebühren. Damit, wie die Geldhäuser behaupten, die hohen Kosten gedeckt werden. Im Schnitt kassieren Banken und Sparkassen drei Prozent der getauschten Summe, manche nehmen auch 3,5 Prozent und gerade die Commerzbank, die diesem Vorgang angeblich keine Bedeutung mehr zumißt, hält die Hand mit 3,75 Prozent am weitesten auf. Mitunter verlangen Banken und Sparkassen noch mehr, wenn Kunden, die kein Konto beim jeweiligen Kreditinstitut unterhalten, Geld tauschen wollen. Die BfG Bank AG etwa verlangt dann weitere fünf DM.Dabei müssen Reisende innerhalb der EWU für den bis Anfang 2002 immer noch notwendigen Geldumtausch - erst dann wird der Euro allgemeines Zahlungsmittel - keinen einzigen Pfennig oder Cent berappen. Um die Akzeptanz des Euro zu fördern, tauschen die nationalen Zentralbanken Bargeld in ausgewählten Filialen kostenlos um, allerdings nur jeweils ausländische EWU-Währungen. In den Haupt- und Zweigstellen der der Bundesbank kann also keine DM gegen Lira, Peseta oder Franc gewechselt werden. Das geht nur jenseits der Grenze. Allerdings ist die Verbreitung der Tauschstellen sehr unterschiedlich: Frankreich etwa bietet diese Möglichkeit in 212 Ablegern der nationalen Notenbanken. In Spanien sind es schon nur noch 23, in Belgien lediglich drei und in Irland tauscht gar nur die Notenbank in Dublin selbst. Der Betrag, der bei den Zentralbank-Filialen getauscht werden kann, ist allerdings begrenzt. Er schwankt zwischen 1000 und 10 000 Euro pro Tag. Nach ihrer Rückkehr können Urlaubsreisende, die sich in Mitgliedsländern der EWU aufgehalten haben, von dieser Praxis der Notenbanker profitieren.Filialen der Bundesbank tauschen überschüssige Francs, Lira oder Peseta kostenfrei gegen DM um. Allerdings werden nur Scheine angenommen. Eine Übersicht der Zentralbank-Ableger, die den kostenlos Umtausch in der EWU ermöglichen, gibt es bei der Europäischen Verbraucherzentrale in Kiel (www.evz.de).Wer nicht auf die Angebote der nationalen Zentralbanken zurückgreifen will oder kann, tauscht nach Angaben der AgV in der Regel im Ausland günstiger als in Deutschland. Das gilt im übrigen nicht nur für die EWU-Mitgliedsstaaten. Die Versorgung mit Bargeld per EC-Karten und Geheimzahl über Geldautomaten ist nach Angaben von Experten in den meisten Ländern sogar die günstigste Geldquelle. Mittlerweile gibt es diese Möglichkeit auch in den USA. Insgesamt stehen dafür weltweit mehr als 462 000 Geldautomaten in rund 90 Ländern bereit. Allerdings ist der EC-Bargeld-Service an Geldautomaten im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden: Seit 1. Februar wird das heimische Konto nicht mehr nur mit fünf DM pro Abhebung belastet, sondern mit 0,4 bis 2,5 Prozent des Umsatzes. Maximal sind es 25 DM. Wer sich also am Geldautomaten im Ausland heimische Währung im Gegenwert von 500 DM besorgt, zahlt zwischen zwei und 12,50 DM.Mit der EC-Karte und Geheimzahl kann in Europa mittlerweile auch an zwei Mill. Tankstellen und Geschäften bargeldlos bezahlt werden. Außerhalb Europas von den USA bis Südafrika ist dies nach Angaben der Commerzbank ebenfalls an 1,8 Mill. Kassen mit dem sogenannten Maestro-Logo möglich. In der Regel kostet dies ein Prozent des Umsatzes oder mindestens 1,50 DM.Generell raten Verbraucherschützer, so wenig Bargeld wie möglich mit auf die Reise zu nehmen. Reise-Schecks, EC- und Kreditkarten sind versichert. Die Kosten bei Verlust belaufen sich bei den Plastikkärtchen auf maximal 100 DM. Wenn das Bargeld verloren oder geklaut wird, ist es weg. Ohne wenn und aber.In Berlin kann man seine ausländische Währung an zwei Stellen eintauschen: Bei der Landeszentralbank in der Kurstraße Nr. 40 in Mitte und in der Leibnizstraße Nr. 9-10 in Charlottenburg.

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