Wirtschaft : Mit den Franzosen an die Weltspitze

MÜNCHEN (tmh).Der weltgrößte Versicherer Allianz AG, München, ist mit der Integration der französischen Assekuranz-Tochter AGF auf dem Sprung in eine neue Dimension.Die neue Größe soll Wachstum auf allen wichtigen Weltmärkten mit Schwerpunkt in den Sparten Lebens-, Kranken- und Industrieversicherung sowie Vermögensverwaltung erlauben, sagte Konzernchef Henning Schulte-Noelle zur Bilanzvorlage in München.Es sei dabei nicht seine Vision, "eine Coca-Cola der Assekuranz zu werden".Nur bei Vermögensverwaltung und Industriepolicen soll die Welt unter dem Markennamen Allianz erobert werden.In allen anderen Sparten werde der globale Marktführer weiter mit seiner Vielzahl lokaler Beteiligungen wie in Frankreich der AGF auftreten und als "Orchester" seinem internationalen Publikum möglichst ein "Wunschkonzert" bieten, sagte Schulte-Noelle zum vorläufigen Höhepunkt der Globalisierung.Bis Ende 1999 blieben die Münchner vorrangig mit der Integration der AGF beschäftigt.Mittelfristig sei eine neue Akquisition in Großbritannien ein Thema.Zudem sei man bereit, in Frankreich bis zu zehn Prozent der Bank Credit Lyonnais zu erwerben.

Zum Ausbau der neuen Kernsparte Vermögensverwaltung steht die Allianz mit der Dresdner Bank AG, Frankfurt (Main), weiter im Gespräch, an der sie etwa ein Viertel hält.Zusammen mit der AGF verwaltet die Allianz ein Anlagevolumen von über 600 Mrd.DM.Im Zuge der Vertriebskooperation mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG, München, rückt eine Lösung näher.Die Hypobank fusioniert demnächst mit der Bayerischen Vereinsbank AG, München, die bei Versicherungen mit der zum Ergo-Konzern zählenden Victoria-Gruppe kooperiert.Für die neue bayerische Großbank zeichne sich im Assekuranz-Vertrieb eine regionale Aufteilung zwischen Allianz und Victoria ab.

Die in den USA angestrengte Holocaust-Klage gegen 16 europäische Versicherer unter Einschluß der Allianz wegen angeblich ausstehender Versicherungsverpflichtungen betrifft die Münchner indessen kaum.Es seien nur 14 aus der Nazizeit ausstehende Policen in den Allianz-Archiven entdeckt worden.In Absprache mit jüdischen Organisationen wollen die Allianz und andere Versicherer einen Fonds für Hinterbliebene der Naziopfer einrichten.

Im laufenden Jahr steht der Allianz-Konzern durch die erstmalige Einbeziehung der AGF vor einem Umsatzsprung auf 107 Mrd.DM.Im Vorjahr waren die Beitragseinnahmen von 75 auf 86 Mrd.DM gestiegen.Der Jahresüberschuß, der 1997 um gut ein Fünftel auf 2,7 Mrd.DM wuchs, soll dieses Jahr prozentual leicht zweistellig wachsen.Dazu komme möglicherweise ein AGF-Ergebnisbeitrag von bis 300 Mill.DM.Gegenzurechnen wären allerdings die Kosten der AGF-Integration in Höhe einer ebenfalls dreistelligen Millionensumme.Die Dividende für 1997 steigt um 20 Pfennig auf 1,90 DM je Aktie.Die Belegschaft überschreitet 1998 erstmals die Zahl von 100 000 Mitarbeitern.

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