Wirtschaft : Mit den Steuern steigt die Schwarzarbeit

DÜSSELDORF (pw/HB).Rund 15 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) werden in Deutschland nach Schätzungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider schwarz erwirtschaftet.Das hat eine Studie ergeben.Scharzarbeit ist schwer zu beziffern, weil direkte Erhebungen falsche Zahlen ergeben.Doch Schwarzarbeiter hinterlassen spuren.Sie verbrauchen Energie und andere Vorprodukte und sie nutzen Geld, wenn es um die Bezahlung ohne Rechnung geht.Läßt sich abschätzen, wieviel Energie und Geld in der offiziellen Wirtschaft genutzt werden, kann im Vergleich mit dem tatsächlichen Energieverbrauch und der umlaufenden Geldmenge das Ausmaß der Schwarzarbeit gut bestimmt werden.

Problematisch an diesen und anderen indirekten Meßmethoden ist, daß ihre Ergebnisse stark voneinander abweichen.Deutlich wird das in einer umfangreichen vergleichenden Studie, in der Schneider für 67 Länder seit 1970 Ergebnisse der Schwarzmarktforschung zusammengetragen sind.Je nach Meßmethode ergab sich danach für Deutschland im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 1985 ein Ausmaß der Schwarzarbeit am BIP von zwischen acht und 34 Prozent, gemessen am offiziellen BIP.Die Differenz ist zu groß, um eindeutige Aussagen zu erlauben.Was die Studien aber liefern können, sind Anhaltspunkte, wie sich Schwarzarbeit entwickelt hat.Danach ist die Schwarzarbeit in Entwicklungsländern mit 44 Prozent am verbreitesten.

Spannender als das Länderranking ist freilich die Entwicklung des Ausmaßes der Schwarzarbeit.In den meisten MOE-Staaten ist die Schwarzarbeit in den 90er Jahren erst gestiegen und dann wieder gefallen, wie etwa in Polen: von 20 Prozent des BIP im Jahr 1990 über 24 Prozent (1991) auf 13 Prozent im Jahr 1995, gemessen am Elektrizitätsverbrauch.In Rumänien legte die Schattenwirtschaft seit dem Umbruch beständig zu, von 25 Prozent (1990) auf 36 Prozent im Jahr 1995.Wo in den MOE-Ländern der durchschnittliche Trend nach unten zeigt, weist er in den westlichen Industriestaaten nach oben, allerdings auf sehr unterschiedlichem Niveau.Gemessen mit der Geldmengenmethode, wuchs die Schwarzarbeit in den USA von vier Prozent des BIP im Fünfjahresdurchschnitt 1970/75 auf neun Prozent (1996/97), in Deutschland von fünf Prozent auf 15 Prozent und in Italien von elf Prozent auf 27 Prozent des BIP.Es liegt nahe, diesen Trend mit der steigenden Steuer- und Abgabenlast und Regulierungsdichte in den Industriestaaten zu erklären.

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