• Mit der Drohne den Nachbarn im Garten beobachten Amerikanische Kriegstechnologie setzt sich auch im zivilen Leben durch/ Mobiles Krankenhaus für das Rote Kreuz

Wirtschaft : Mit der Drohne den Nachbarn im Garten beobachten Amerikanische Kriegstechnologie setzt sich auch im zivilen Leben durch/ Mobiles Krankenhaus für das Rote Kreuz

Jonathan Krim

Am Anfang hielt „Duck Tape“ nur Munitionskästen im Zweiten Weltkrieg trocken. Bald griffen Soldaten auf das silbrige, drei Zentimeter breite Abdichtungsklebeband auch zurück, um lose Teile in Jeeps, Gewehren und sogar Flugzeugen zusammenzufügen. Und schließlich wurde „Duck Tape“ unter dem Namen „Duct Tape“ zum Verkaufsschlager in der Bevölkerung. Das Klebeband fand schier unbegrenzte Verwendungsmöglichkeiten im Haushalt. Das Abdichten von Rohr-Nahtstellen ist nur eine von vielen. Andere Beispiele: Im ersten Golfkrieg setzte das amerikanische Militär die Satellitentechnik GPS (oder Globales Positionsbestimmungssystem) in großem Umfang ein. Schlagartig wurde die GPS-Technik in der Öffentlichkeit zum Begriff. Mittlerweile sind GPS-Navigationssysteme für Autofahrer oder tragbare GPS-Geräte für Wanderer und andere Sportler eine Selbstverständlichkeit. Jüngere kriegerische Auseinandersetzungen haben wiederum das Fahrzeug „High-Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle“ unter dem Markennamen „Hummer“ populär gemacht. Das Militärfahrzeug ist zum Statussymbol für Konsumenten geworden – zumindest für jene, die sich den Preis von 46385 Euro leisten können.

Auch der Irak-Krieg dient als Experimentierfeld für neue Techniken, die heute nur militärisch, morgen aber vermutlich auch im Alltag eingesetzt werden. Neu ist in diesem Krieg der massive Einsatz von Aufklärungs-Drohnen. Das Kriegsgebiet werde permanent observiert, sagt Owen Cote, ein Experte für Verteidigungstechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT). „Wir überwachen das Kampffeld mit unbemannten UAVs.“ Als „UAVs“ oder „Unmanned Aerial Vehicles“ werden die Mini-Drohnen bezeichnet. Mit unbemannten Predator-Drohnen werden Angriffe geflogen und Raketen abgefeuert. Eine reine Aufklärungs-Drohne ist mit einer Kamera versehen; sie kann gerade mal 15 Zentimeter groß sein und weniger als 60 Gramm wiegen. Die Drohne „Dragon Eye“ wird gar im Rucksack aufs Schlachtfeld getragen. Ein Soldat muss das Fluggerät mit einem als Schleuder dienenden Bungee-Seil in die Luft wirbeln, bevor der Motor anspringt. Über einen Laptop steuert der Soldat die Drohne; und an das Notebook überträgt „Dragon Eye“ auch die Videoaufnahmen über den jeweiligen Einsatzort. Bislang kommen Normalmenschen an die Aufklärungs-Drohnen nicht heran, zumindest nicht beim kalifornischen Hersteller Aerovironment. Für zivile Verwendungszwecke seien die UAVs nicht zu haben, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Der Grund: Die Fluggeräte müssten unter anderem den Anforderungen der US-Luftfahrtbehörde entsprechen und die Fernbedienungsgeräte auf Frequenzen laufen, die von der „Federal Communications Commission“, der US-Regulierungsbehörde für Kommunikationsmärkte, zugelassen sind.

Experten gehen davon aus, dass dies bald passiert. Der US-Trendforscher Paul Saffo erwartet, dass die Aufklärungs-Drohnen innerhalb der kommenden fünf Jahre auch eine breite Anwendung finden werden. Saffo leitet das „Institute for the Future“. „Computerfreaks im Teenager-Alter werden Aufklärungs-Drohnen kaufen oder bauen können, die wenig größer als ein Taschenbuch sind“, sagt Saffo. „Niemand wird sich mehr in Ruhe in seinem Garten ohne Oberteil sonnen können“, sagte er.

Dass das Militär der größte Anwender von Radar- und Sensortechnik sei, erleichtere die Sache, sagt der Verteidigungstechnik-Experte Cote vom MIT. Sensoren, so der Wissenschaftler, erzeugen und senden Signale und erfassen die rückfließenden Daten. Mit extra großen Radaren – die besser Blattwerk, Gebäude und den Erdboden durchdringen – sucht das Militär mögliche Ziele und spürt Gefahren auf. Cote kann sich für leistungsfähige Sensoren zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten im Alltagsleben vorstellen. So kann ein Sensor im Auto den Fahrer vor einem zu nahe kommenden Fahrzeug warnen. Sensoren wären auch geeignet, den Ultraschall oder andere medizinische Verfahren zu verbessern. Ein Patient könnte zum Beispiel einen Sensor am Handgelenk tragen und dieser würde permanent seine Werte an einen Arzt oder ein Krankenhaus weiterleiten, sagt Chung-Chiun Liu, ein Professor für Sensor- und Verfahrenstechnik an der Case Western Reserve University.

Ein Professor für Militär- und Technikgeschichte an der Duke University, Alex Roland, spekuliert, dass Fortschritte bei unbemannten Fluggeräten und Sensortechnik zusammen die künftige Kriegsführung ändern werden. Die Fernsteuerung werde noch wichtiger werden. „Immer mehr Soldaten geraten aus der Schusslinie und Maschinen übernehmen eine wichtigere Rolle“, sagte Roland. Nicht jede neue Kriegs-Technik fügt der gegnerischen Seite Schaden zu. Die US-Navy setzt zum ersten Mal ein „ambulantes“ Krankenhaus ein. Dabei handelt es sich um ein mobiles medizinisches Zentrum mit drahtlosem Netzwerk, Internet-Telefonie und elektronischen Links zu Computerservern mit medizinischen Informationen und Patientendaten. „Besonders daran ist unter anderem, dass alles elektronisch ist“, sagt John Spotila, Präsident des amerikanischen IT-Dienstleisters GTSI, der für staatliche Behörden arbeitet. „Es gibt keine Papierformulare oder Aktenordner“, sagt Spotila.

Solch ein Krankenhaus könnte gut von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz in Katastrophengebieten verwendet werden. Zu den festen Bestandteilen gehören strapazierfähige Laptops und Computerzubehör wie Drucker und Scanner, die so konstruiert sind, dass sie Erschütterungen, Schmutz, Staub und Wasser standhalten. Ob die massiven, schweren und teuren Laptops auch mal bei den Verbrauchern gefragt sein werden, ist allerdings fraglich.

Texte übersetzt und gekürzt von Tina Specht (Burger), Karen Wientgen (US–Kriegstechnologie), Christian Frobenius (China), Svenja Weidenfeld (Krieg) und Matthias Petermann (Amerika).

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