Wirtschaft : Mit der IG Metall in den Korridor

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Von Alfons Frese

„Die Unterlegenen verlangen irgendwann Satisfaktion“, sagt der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, über die Lage in der ostdeutschen Metallindustrie. Ob das die Arbeitgeber einschüchtert? Am Montag jedenfalls nicht. Das erste Treffen der Tarifparteien nach dem gescheiterten Arbeitskampf um die 35Stunden-Woche blieb ergebnislos. Die gekündigten Tarifverträge werden noch nicht wieder in Kraft gesetzt. Das überrascht nicht, denn die Arbeitgeber haben gewonnen und können die IG Metall jetzt zappeln lassen. Mehr ist aber auch nicht ratsam, da hat Huber Recht. Die Demütigung würde sich irgendwann rächen.

Der Verlierer bittet den Sieger um zwei Dinge: Die 38-Stunden-Woche soll bis 2005 festgeschrieben werden und nicht, wie die Arbeitgeber wollen, bis 2008. Und zum Zweiten soll es für einzelne Großbetriebe schon bald auf dem Wege eines Ergänzungstarifvertrages einen Stufenplan Richtung 35 Stunden geben. Bei Punkt eins könnten sich die Tarifpartner schnell einigen, indem sie sich in der Mitte treffen. Die rund 300000 Ost-Metaller müssten also noch mindestens dreieinhalb Jahre 38 Stunden die Woche arbeiten. Aber was ist mit den Beschäftigten von VW in Zwickau, ZF in Brandenburg und Siemens VDO in Sachsen? In diesen Großbetrieben hat die IG Metall die meisten Mitglieder, hier stand die Streikfront geschlossen und sind die Erwartungen der Arbeitnehmer am größten. Deshalb möchte hier die IG Metall eine Sonderregelung für die 35 Stunden erreichen. Aber wie? Mit Bitten und Betteln? Mit neuen Arbeitsniederlegungen?

Womöglich ist das Problem leicht zu lösen, wenn die Unternehmensleitungen um des Betriebsfriedens Willen sich schon jetzt auf eine Arbeitszeitverkürzung einlassen. Aber im Rahmen eines Haustarifs, also indem der Arbeitgeberverband verlassen wird? Das wäre nur die zweitbeste Lösung. Für den Flächentarif und die Flexibiliät wäre Folgendes besser: Die Tarifparteien vereinbaren einen Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden, innerhalb dessen gearbeitet werden kann. Bei VW etwas weniger, und bei schwachbrüstigen Firmen etwas mehr. Das ist die Differenzierung, die auch die Arbeitgeber immer fordern.

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