Wirtschaft : Mit der Lizenz zum Ausstieg - Heiße Drohungen, wenig Taten

Alfons Frese

Das ist gemein: Ein britischer Gewerkschafter appelliert an James Bond, künftig bei der Erledigung seiner britisch-patriotischen Rettungsaktionen auf die Dienste seines BMW zu verzichten. Denn BMW hat Rover verkauft - und England verraten. Doch wir schießen zurück, sagen sich offenbar Rover-Monteure in Birmingham: mit einer toten Katze. Jedenfalls meldet ein britisches Boulevard-Blatt, in einem nach Deutschland exportierten Rover habe so ein in das Polster eingenähter Kadaver gesteckt. Andere Autos seien mit Hass-Sprüchen und Hakenkreuzen geschmückt auf den Kontinent geschickt worden. Im britischen Parlament soll der schändliche Rückzug von BMW untersucht werden, Premierminister Tony Blair will beim EU-Gipfel Kanzler Gerhard Schröder die Ohren lang ziehen. Was kommt noch alles? Etwa der Austritt des Königreichs aus der EU und stattdessen die Mitgliedschaft in der Nordamerikanischen Freihandelszone?

Der Ton zwischen Tommies und Krauts wird schärfer, weil die BMW-Rover-Krise ein herrlicher Anlass ist, alte Ressentiments zu pflegen und mit Scharfmachereien aufzufallen. Das gilt für durchgeknallte Gewerkschafter ebenso wie für überforderte Politiker und blutrünstige Spinner in den Medien. Viele Briten beklagen "Geheimniskrämerei", die BMW-Bosse hätten Politiker und Gewerkschafter im Rover-Mutterland zu spät informiert. Ja, wie denn anders? Selbstverständlich müssen Deals in dieser Größenordnung und mit dieser politischen Breitenwirkung diskret abgewickelt werden. Das ist beim Verkauf einer Autofirma nicht anders als bei der Fusion zweier Banken.

Haben sich die Münchener verantwortungslos gegenüber Rover und den 30 000 Mitarbeitern verhalten? Davon kann keine Rede sein. Der Ausstieg kommt vielmehr zu spät, alles in allem wird das Engagement bei Rover wohl um die 20 Milliarden Mark kosten. Ob sich BMW allein davon erholen kann oder Hilfe eines Partners braucht, ist noch nicht ausgemacht. Wie schwer die Last drückt, zeigt der Notverkauf der "Perle" Land Rover an Ford - die sechs Milliarden Mark werden dringend gebraucht, um die Rover-Verluste auszugleichen.

Dass BMW eine unglückliche Strategie verfolgt hat und die Marke Rover nie richtig positionieren konnte - die Aufwertung des Pfund und die entsprechende Verteuerung der Autos auf den Exportmärkten mal außer Acht gelassen - steht auf einem anderen Blatt. Das Rover-Licht wurde in München jedenfalls nicht leichtfertig ausgeblasen. Das belegt auch die Zahl der Vorstandsköpfe, die wegen Rover gerollt sind.

Kann das misslungene Engagement einer Autofirma das Verhältnis zwischen Briten und Deutschen belasten? Wohl kaum das Verhältnis der Briten zu BMW - die Marke ist auf der Insel beliebt wie keine zweite, und die Yuppies aus der City of London lassen Boykottaufrufe kalt. Wohl ahnend, was noch kommen könnte, hat der Chef der britischen Dachgewerkschaft, John Monks, Mitte vergangener Woche vor Übertreibungen gewarnt und gleichzeitig auf die Bedeutung der aus Deutschland stammenden Unternehmen auf der Insel hingewiesen. Rund 1500 "deutsche" Firmen beschäftigen rund 100 000 Personenen. Tendenz steigend. Daran wird auch das aktuelle Gebrüll nicht viel ändern. Wie sagt Gewerkschaftsboss Monks: "Die deutschen Unternehmen benehmen sich gut im Land." Na bitte.

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