Wirtschaft : Mit der neuen Währung werden die Preise sinken

KLAUS DER HEYDE

Vergleichbarkeit in ganz Europa hilft den VerbrauchernVON KLAUS VON DER HEYDEJeder kennt die Unkenrufe - der Euro kann gar nicht so stabil werden wie die D-Mark, die Preise werden steigen, das Leben wird teurer.Zugegeben, die Gelegenheit erscheint günstig: Die Unerfahrenheit der Verbraucher im Umgang mit der neuen Recheneinheit Euro könnte zu versteckten Preiserhöhungen verleiten.Zumal Unternehmen solche Preisänderungen auch durchaus plausibel erklären könnten.Runde Eintrittspreise in Museen, Theatern oder auch glatte Beträge für Bankgebühren werden nach der Umrechnung in Euro krumm und unhandlich, und auch die so beliebten 99-Pfennig-Preise verwandeln sich nicht in 99-Cent-Preise.Ist es da - insbesondere mit Blick auf die anfallenden Umstellungskosten - nicht naheliegend, jeweils zur nächsten Preisschwelle aufzurunden? Genauer betrachtet stellt sich das Problem mit den Rundungen sehr viel seltener als gemeinhin angenommen.Eine vom Europäischen Rat bereits beschlossene Verordnung zur Einführung des Euro legt nämlich eindeutig fest, daß Preisvereinbarungen von der Währungsumstellung unberührt bleiben und auch nach 1999 unverändert Gültigkeit besitzen.Auf- oder Abrundungen können also nur bei neuen Verträgen erfolgen - und dann müssen schließlich beide Vertragspartner den neuen Preis akzeptieren. Auf und Abrundungen sind damit in erster Linie ein Thema für den Einzelhandel, denn dort werden Kaufverträge jeden Tag neu geschlossen.Aber auch hier muß sich der Kunde erst ab 2002 umstellen: Da EuroNoten und -Münzen erst zu diesem Zeitpunkt in Umlauf kommen, wird man bis dahin überall die vertrauten DM-Preisangaben vorfinden.Auch doppelte Preisangaben in DM und Euro werden häufig zu finden sein und allen bereits "ein Gefühl" für die richtigen Preisrelationen geben.Gegen Aufrundungen spricht auch, daß der Umstellungssatz aller Voraussicht nach nur knapp unter zwei liegen wird. Eine Preispolitik, die Unsicherheiten der Kundschaft mit den Euro-Preisen ausnutzt, kann nur zum Bumerang werden und angestammte Kunden verprellen.Insbesondere für Dienstleister sind jedoch Kundenzufriedenheit und Kundenvertrauen hohe Werte, die man nicht leichtfertig verspielt. Eine auf den "schnellen Euro" zielende Aufrundung wird darüber hinaus den Veränderungen, die auf die Unternehmen im Zuge der Euro-Einführung zukommen, kaum gerecht.Jedem "Umstellungs-Leitfaden" können Unternehmen den Hinweis entnehmen, frühzeitig über eventuell erforderliche Veränderungen von Packungsgrößen nachzudenken. Ob der Euro also neue Spielräume für Preiserhöhungen schafft, hängt davon ab, ob er den freien Wettbewerb in Europa eher belebt oder behindert.Hier fällt die Antwort aber eindeutig aus: Der Euro erleichtert den grenzüberschreitenden Marktauftritt von Produzenten und Dienstleistern und er erleichtert zugleich den Kunden den Preisvergleich über Landesgrenzen hinweg. Der Disput zwischen Automobilherstellern und der EU-Kommission über Verkaufspraktiken von Vertragshändlern im EU-Ausland zeigt wiederum, daß in einigen Bereichen noch große Preisunterschiede zwischen den europäischen Ländern bestehen, die der Verbraucher noch besser ausnutzen kann, wenn sie ohne Wechselkursschleier unmittelbar sichtbar werden. Insgesamt darf man in Europa also eher mit fallenden als mit steigenden Preisen rechnen, wenn der Euro kommt.Einzelnen Anbietern dürfte es in einem europäischen Markt ohne Währungsgrenzen zunehmend schwerer fallen, überhöhte Preise am Markt durchzusetzen.Auf- aber eben auch Abrundungen wird es sicher geben.Sie erfolgen aber im Rahmen knapper Kalkulationsspannen der Händler und werden deshalb keinen Druck auf die Lebenshaltungskosten ausüben. Der Autor ist Sprecher des Vorstandes der Berliner Bank AG

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