Wirtschaft : Mit der Sonne ist nicht zu rechnen

Die Milliarden für regenerative Energien werden falsch investiert, sagen Experten – weil es billigere Alternativen gibt

Dieter Fockenbrock,Maren Peters

Das Gerücht ist hartnäckig: Für die Produktion einer Solarzelle wird mehr Energie verbraucht als diese Zelle jemals selbst produzieren wird. Im Klartext: Strom aus Sonne ist zwar umweltfreundlich, rechnet sich aber nie. Falsch, sagen Experten wie Helmut Kaschenz vom Umweltbundesamt. Richtig sei, dass Solarzellen früher einmal bis zu zehn Jahren gebraucht hätten, um sich energetisch zu amortisieren, heute aber sind es nur noch drei bis fünf Jahre. Die Technik sei ausgereifter, die Serienproduktion angelaufen, meint Kaschenz.

Der Streit um die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energie wie Solarstrom hält an. In zwanzig Jahren sollen alle Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein, viele veraltete Kohlekraftwerke müssen ersetzt werden. Fast die Hälfte der gesamten Kraftwerkskapazität wird ausgetauscht. Aber wodurch?

Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will in nicht einmal zehn Jahren 20 Prozent des heimischen Stroms aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse herstellen. In 50 Jahren sollen es schon 50 Prozent sein. Viel zu teuer, sagen die Kritiker und winken ab. „Die Kosten spielen in der heutigen Energiedebatte nur eine untergeordnete Rolle", kritisiert Alfred Voß, Leiter des Instituts für Energiewirtschaft an der Uni Stuttgart. Dabei ist der Preis für Energie schon heute ein Politikum ersten Ranges. Am Samstag traf sich deshalb auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) in Essen mit den Spitzen der deutschen Stromkonzerne EnBW, Eon, RWE und Vattenfall. Thema des Treffens in der RWE-Zentrale: Die stark gestiegenen Strompreise für große Energieverbraucher. Eisenhütten und Zementwerke drohen mit Abwanderung ins Ausland. Da kann es nicht egal sein, wie der Strom in Deutschland künftig produziert wird.

Umstritten ist in der Energie- und Standortdebatte vor allem die staatliche Förderung. Neben Forschung und Entwicklung unterstützt die rot-grüne Regierung die Einführung von Sonne, Wind oder Biomasse massiv. Drei Milliarden Euro fließen allein aus der EEG-Umlage pro Jahr in die neuen Techniken – Tendenz steigend. „Deutschland verschleudert volkswirtschaftliches Vermögen“, sagt Voß. Das Ziel, die Produktion schädlicher Klimagase wie CO2 zu reduzieren, werde damit zwar erreicht. „Aber um welchen Preis?“ Würde dasselbe Geld etwa in den Neubau emissionsarmer Kohlekraftwerke oder in die rationelle Energienutzung gesteckt, könnten weit größere Klimaschutzeffekte erzielt werden, meint der Wissenschaftler. Die von der Regierung propagierte Nachhaltigkeit müsse auch heißen, „den nachfolgenden Generationen eine wirtschaftliche Energiebasis zu hinterlassen".

Einig sind sich Rot-Grün wie Kritiker in einem Punkt: Ohne den zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien könnte ein Klimadesaster drohen. Und die Tatsache, dass Erdöl und Erdgas Mitte des Jahrhunderts zur Neige gehen, verschärft den Druck, nach Alternativen zu suchen.

Auch Energiewirtschaftler Voß fordert, die staatliche Förderung auszubauen. „Dabei tun wir sogar noch zu wenig. Aber es ist falsch, diese unausgereiften Technologien mit erheblichen Subventionen in den Markt zu drücken.“ So koste Solarstrom selbst unter Berücksichtigung aller Umweltkosten das 20fache im Vergleich mit konventionellen Techniken wie Kohle, sagt Voß.

Einig ist er sich darin mit Claus Barthel, Spezialist für Zukunftsenergien am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Auch Barthel hält eine Aufstockung der Forschungsmittel für wichtig. „Das könnte sonst zu einem Wettbewerbsnachteil werden.“ Der Wissenschaftler warnt allerdings vor Einseitigkeit. Laut Internationaler Energie Agentur (IEA) entfiel zwischen 1990 und 2002 fast die Hälfte der Forschungsinvestitionen auf die Solartechnik. „Wir müssen in jede Technologie investieren – eine allein wird es nicht schaffen, Kohle und Öl zu ersetzen“, sagt Barthel und fordert neue Schwerpunkte. Die Photovoltaik werde viel zu intensiv gefördert. Besser sei es, mehr in die Erdwärme zu investieren, weil es hier auch für Deutschland großes Potenzial gebe.

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