Wirtschaft : Mit DNS-Chips gegen Volkskrankheiten: MWG Biotech will sich zum Produktentwickler mausern

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Gemessen an anderen deutschen Biotech-Unternehmen ist die Vita der MWG Biotech AG ungewöhnlich. Während die meisten Kollegen am Anfang viel Geld investieren, aber keine Gewinne erzielen, hat MWG seit dem Start im Jahre 1990 schwarze Zahlen geschrieben. Jetzt, da die ersten deutschen Biotech-Unternehmen sich der Gewinnzone nähern, schreibt MWG Verluste. Die Erklärung ist einfach: Das Unternehmen ist als reiner Dienstleister gestartet. Erst jetzt geht MWG dazu über, mit dem DNS-Chip ein eigenes Produkt zu entwickeln und steckt darum viel Geld in die Forschung. "Wir sind in einer Umbruchphase", sagt Unternehmenssprecherin Jutta Huber. Von der Medikamenten-Entwicklung wird auch künftig die Finger lassen.

Das Unternehmen, das seit Mai 1999 am Neuen Markt notiert ist, hat das Geld aus dem Börsengang in erster Linie in den Ausbau der Entwicklungsabteilung investiert. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 113 Ende 1998 auf jetzt 350 weltweit aufgestockt worden. Davon arbeiten allein 150 am Standort in Ebersberg bei München. Anfang 1999 hat MWG eine Tochter in den USA gegründet. Aus naheliegendem Grund: "Im US-amerikanischen Markt werden mehr als 50 Prozent des weltweiten Biotech-Umsatzes erzielt werden", sagt Huber. Niederlassungen gibt es auch in England, Frankreich, Italien und Skandinavien.

MWG-Biotech hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 68,7 Millionen Mark erzielt - knapp zwei Drittel mehr als 1998. Bedingt durch hohe Investitionen machte das Unternehmen um Firmengründer Michael Weichselgärtner einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 15,3 Millionen Mark. Noch erzielt MWG Biotech den Löwenanteil der Umsätze mit dem Verkauf von selbst entwickelten und produzierten Geräten für die DNS-Vervielfältigung und Analyse (Genetic Instruments).

Im Geschäftsbereich Cell Biology vertreibt MWG als reines Handelsunternehmen auch Lasersysteme aus den USA, die in der Mikrobiologie eingesetzt werden. Damit erzielte das Unternehmen 1999 knapp ein Viertel des Umsatzes.

Im dritten Geschäftsbereich, Genomic Services, sequenziert und analysiert das Unternehmen als Dienstleister DNS für Pharmakonzerne und Forschunginstitute - wie viele Biotech-Unternehmen auch. "Was uns von Wettbewerbern unterscheidet, ist, dass wir alles in einem Haus anbieten können", sagt Unternehmenssprecherin Huber. Dazu gehört auch die Auswertung der Daten.

Große Hoffnungen setzt MWG auf die Entwicklung eigener DNS-Chips. Sie sollen einmal als Werkzeuge bei der Aufklärung von Volkskrankheiten helfen. "Soweit werden wir frühestens in zwei Jahren sein", sagt Jutta Huber. Problematisch könnte dabei die starke Patentposition des US-Unternehmens Affymetrix werden.

Angesichts der ungewissen Patentsituation und der großen Konkurrenz bleiben die Analysten zurückhaltend. "MWG ist in keinem Bereich erste Wahl", sagt Analystin Petra Meyer vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Die machen das, was andere auch tun." Die Analystin ist vom Management nicht überzeugt. Sie vermisst eine klare Strategie und rät darum, die Aktie zu verkaufen. Milder gestimmt ist ihr Kollege Matthias Frasch von der SGZ-Bank. Die breite Produktpalette bewertet er positiv. Dass MWG Biotech keine Ambitionen hat, eigene Medikamente zu entwickeln, sondern sich primär als Dienstleister versteht, hält er nicht für problematisch. "Das mindert das Risiko", sagt er. Frasch sieht das Unternehmen grundsätzlich sehr gut positioniert. Sein Tipp: "Halten."Mehr zum Thema unter www.mwg-biotech.com



In den kommenden Wochen werden wir in lockerer Folge über viel versprechende deutsche Biotech-Unternehmen, den Markt für Biotech-Aktien und erfolgreiche Bio-Regionen berichten. Thema der nächsten Folge der Serie: GPC Biotech aus Martinsried.

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