Wirtschaft : Mit Fonds auf den US-Immobilienmarkt

Gesellschaften werben mit sogannten Reits / Anleger sollten Währungsrisiken einkalkulierenDem Euro entfliehen, in Immobilien investieren und gleichzeitig das angelegte Kapital von einem auf den anderen Tag flüssig machen können - geht das überhaupt? Ja, der Kauf eines Anteils an einem Investmentfonds, der in amerikanische Reits anlegt, machts möglich.Reits (Real Estate Investment Trusts) sind börsennotierten US-Immobiliengesellschaften, die von der Körperschaftsteuer befreit sind.Dafür müssen sie ihr Kapital zu mindestens 75 Prozent in US-Immobilien stecken und 95 Prozent des Nettobetriebsgewinns an die Anleger auszahlen.Die 30prozentige US-Quellensteuer auf die Dividende wird in Deutschland angerechnet.Doch bei aller Skepsis gegenüber dem Euro gilt: Auch auf den Immobilienmärkten herrscht ein Auf und Ab.Zudem: Wo Währungsgewinne locken, drohen auch Währungsverluste, gegen die sich die Fonds nicht absichern.So kletterte das Marktbarometer Morgan-Stanley-Reit-Index (MS-Reit) auf Dollarbasis vom 1.August 1997 (damals wurde der DekaTeam-Immoflex USA als jüngster Reit-Fonds in Deutschland aufgelegt) und dem 27.Februar 1998 um 6,3 Prozent.In D-Mark gerechnet betrug das Plus lediglich 4,2 Prozent.Deshalb meint David Hoffman, Manager des Hypo US Skyline Fund: "Die erste Frage, die sich ein Reit-Anleger stellen muß, heißt: Will ich im Dollar investiert sein?" Ob der Fonds in Dollar, wie DIMS Amadeus U.S.Real Estate Securities Fund und DG Lux Lacuna First US-Reit, oder in D-Mark, wie DekaTeam-Immoflex USA sowie Hypo US Skyline, geführt wird, spielt keine Rolle, er bleibt eine Dollar-Anlage.Die Anbieter der Reit-Fonds stellen, wie könnte es auch anders sein, die Gewinnchancen, die der US-Immobilienmarkt den Reits und damit den Fonds bietet, in den Vordergrund.J.P.Morgan, als Manager für den DekaTeam-Immoflex in den USA am Ball, stellt für Reits bis ins Jahr 2000 jährliche Renditen von 12 bis 14 Prozent in Aussicht.Dabei seien die Kursausschläge der Reits gemessen an anderen Aktien geringer, stellt die Dresdner Bank (DIMS) fest.Ein Argument, das Werner Engelhardt, Chef der Lacuna Fondsverwaltung GmbH, untermauert: "Als der Dow Jones am 27.Oktober rund 7,2 Prozent verlor, gab der Reits-Markt lediglich um 3,2 Prozent nach."Doch Ausschüttungen sind nur ein Kriterium, Kursgewinne ein anderes.Und darin schlagen die 500 wichtigsten US-Aktien die Reit-Werte.Bei der jüngsten Hausse an der US-Börse seien US-Fonds aus Reits ausgestiegen.Die zweite Jahreshälfte laufe traditionell besser für die defensiveren Reits, meint Engelhardt, weil die Fonds mit ihnen Gewinne sicherten.Hypo-Experte Hoffman schätzt, daß die Reit-Notierungen in diesem Jahr noch um 10 Prozent anziehen.Dennoch ist für ihn der Zeitpunkt der Konsolidierung gekommen.Kein Wunder nach dem Boom: Aus 25 Gesellschaften (1992) mit einem Marktvolumen von 20 Mrd.Dollar wurden binnen fünf Jahren 176 Gesellschaften mit einer Kapitalisierung von 140 Mrd.Dollar.Die Zukunft gehört laut Hoffman mehr der Entwicklung von Grund und Boden als dem Kaufen und Verkaufen von Immobilien.Jene Gesellschaft, die ihr Vermögen in Gefängnisgebäuden investiert hat, scheidet für den Hypo US Skyline aus.Reits, die primär in Büro- und Einkaufszentren engagiert sind, bilden beim Hypo US Skyline mit 27 bzw.23 Prozent des Fondsvermögens die Schwerpunkte.Die Manager des DekaTeam Immoflex bevorzugen Einkaufszentren- und Wohnanlagen-Gesellschaften.Beim DIMS Amadeus, der bis zum Februar nur vermögenden Privatkunden angeboten wurde, steckt knapp ein Drittel des Fondsvermögens in Büro- und Gewerberäumen.Auch wenn sich der Anteil an einem Reit-Fonds börsentäglich versilbern läßt, ein Instrument zur kurzfristigen Geldanlage ist er nicht."Ein Anlagehorizont von fünf Jahren erscheint angemessen", meint Lacuna-Chef Engelhardt.REINER REICHEL (HB)

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