Wirtschaft : Mit High-Tech-Service wie in USA aufMieterjagd

HEINZ BOSCHEK

Die Schattenseite der SubventionenVON HEINZ BOSCHEK

Die jüngste Botschaft des Projektentwicklers Roland Ernst vor laufendenKameras war eindeutig.Die Zeiten seien endgültig vorbei, da man beimNeuaufbau Berlins das unternehmerische Risiko freihändig entwickelterBürohäuser eingehen konnte.Schwarze Zahlen könne ein Developer nur nocherwarten, wenn er Auftragsbauten der öffentlichen Hand übernähme.Deren Kassen seien zwar leer, aber der Bedarf wachse dennoch weiter.Idealfall sei die privat finanzierte Büroimmobilie der öffentlichen Hand,die dem privaten Anleger Steuervorteile und der jeweiligen Behördewesentlich günstigere Konditionen als am Kapitalmarkt beschere.Ernstjedenfalls hat sich damit wie so manch anderer Bauherr von allenfinanziellen Experimenten auf dem überhitzten Büroimmobilienmarkt derdeutschen Hauptstadt verabschiedet und geht weitgehend auf Nummer sicher.In der derzeitigen Lage könne man in der Tat niemandem zu geschäftlichenRisiken raten, unterstrich jüngst Berlins WirtschaftsstaatssekretärWolfgang Branoner (CDU).Zwischen 1991 und 1996 habe man in Berlininsgesamt 630 Bürovorhaben mit rund 5,82 Mill.qm Bruttogeschoßfläche (BGF)fertiggestellt oder bauaufsichtlich genehmigt.1995 und 1996 seien jeweils1 Mill.qm BGF realisiert worden.Mit diesem Ergebnis rechne dieSenatsverwaltung auch im laufenden Jahr.Eine deutliche Abschwächung werdees erst ab 1998 mit einem jährlichen Neuangebot von höchstens 350 000 qmBGF geben.Gleichzeitig steuere die Hauptstadt auf das Leerstandsmaximumvon mehr als 2 Mill.qm BGF zu.Es gebe nicht zu wenig Nachfrage, sondern einen überhitzten Bauboom, weilsich viele unter dem Aspekt der Steuerersparnis auf den Weg nach Berlingemacht hätten.Diese Zeiten seien aber zu Ende."Die Suche nachnachfragegerechten Konzeptionen statt der bestmöglichen Ausnutzung vonSubventionen muß in den Vordergrund treten.Nutzergerechte Gebäude,Nutzungsmischungen, richtige Standorte und kostensparendeDienstleistungsangebote für Nutzer sind die Stichworte für neues undaktuelles Engagement", unterstrich Branoner.Bei Uwe Schuricht, Geschäftsführer der Checkpoint Charlie Service Company(CCSC), der die fünf Bürogebäude des Berliner Investors Abraham Rosenthalsowie des Chefs des amerikanischen Estee-Lauder-Konzerns, Ronald S.Lauder,auf dem Gelände des ehemaligen Symbols für den Kalten Krieg zu vermarktenhat, rennt Branoner mit solchen Forderungen offene Türen ein.Er glaubtnämlich, dem Leerstandsschicksal vieler bereits bestehender Mitbewerberzwischen Friedrichstraße und Gendarmenmarkt durch besonderen Service fürdie Nutzer entgehen zu können.Die Zeit drängt, denn schon im Juli werdenam Checkpoint Charlie die ersten Büros bezugsfertig sein.Und bis zum Jahre2000 sind nicht mehr und nicht weniger als 150 000 qm Büro-, Wohn- undRestaurantfläche in dem 1 Mrd.DM teuren Gebäudekomplex zu vermarkten.DasErfolgsrezept heißt "Fulltime-Service wie in Amerika".Als Mieter eines Büros wird man dann mit dem hausinternen Computernetz,genannt Intranet, verknüpft sein.Es wird jedem Nutzer gestatten, rund umdie Uhr Dienstleistungen wie Catering, Dienstreiseservice von Agenturen,Wäscherei- und Reparaturaufträge durch Knopfdruck zu bestellen.Rabattkonditionen seien selbstverständlich.Ein spezieller Computer sorgedafür, daß bei Ferngesprächen automatisch die zu diesem Zeitpunktpreiswerteste Telefongesellschaft angewählt wird.Einen Lichtblick für manch einen Anbieter von kleineren neuen Büroeinheitenunter 40 DM/qm gibt es allerdings jetzt schon.Bei einer Umfrage der RealEstate Marketing Consultants GmbH (Remcon), Berlin, unter 4000repräsentativ ausgesuchten Unternehmen der Hauptstadt haben 35 % dieAbsicht geäußert, die derzeit bestehenden Mietverträge zu kündigen bzw.nicht zu verlängern.Eine starke Fluktuation auf dem Büromarkt in Richtungmodernerem Bau mit mehr Service sei für die nächsten zwei bis drei Jahreprogrammiert.Dabei würden die Friedrichstraße, die Straße Unter den Lindenund der Gendarmenmarkt als neues Domizil bevorzugt.Weniger gefragt:Alexanderplatz, Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie.Wer bereits eineGeschäftsadresse am Kurfürstendamm besitze, sehe in einem Wechsel in denOsten Berlins allerdings überhaupt keinen Nutzen.Investoren mit diesenMarktgegebenheiten im Blick kommen zweifellos besser aus der gegenwärtigenVermarktungsmisere bei Büroflächen heraus.

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