Wirtschaft : „Mit Investitionen in Deutschland halten wir uns zurück“

Jörg Menno Harms, Chef von Hewlett-Packard Deutschland, über das unsichere Umfeld für Unternehmen und die Fusion mit Compaq

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Herr Harms, vor einem Jahr hat HewlettPackard den Rivalen Compaq übernommen. Was sagen Ihre Mitarbeiter heute dazu?

Die schwierigste Phase haben wir hinter uns. Wer bei einer Fusion seinen Namen verliert, hat das Gefühl, auch seine Identität zu verlieren und fühlt sich verletzt. Das war bei vielen Compaq-Mitarbeitern der Fall. Es dauert, bis man das verkraftet hat.

Was bringt die Fusion?

Wir haben jetzt eine stärkere Stellung im Markt, und das Profil von HP ist ausgeglichener. Neben unseren Schwerpunkten Drucker und PC sind wir bei IT-Dienstleistungen und im Firmenkundengeschäft stärker geworden. Davon profitieren die Kunden. Ein wichtiges Ziel aber war es, durch die Fusion Kosten einzusparen und die Produktivität zu steigern. Das ist gelungen. Wir haben schon nach dem ersten Jahr 3,5 Milliarden Dollar gespart. Damit liegen wir eine Milliarde Dollar über Plan.

Auf Kosten der Mitarbeiter?

Als wir die Übernahme beschlossen haben, zeichnete sich bereits die Rezession in unserer Branche ab. Wir müssen Jobs abbauen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen. Das ist neben dem Einkauf und Überlappungen in den Lieferketten die wesentliche Quelle für Einsparungen. Der Stellenabbau betrifft 17900 Stellen, davon 1100 in Deutschland. Dieser ist weitgehend abgeschlossen. Wir konsolidieren jetzt die Zentralfunktionen und legen Geschäftsstellen, die wir doppelt haben, zusammen. Das betrifft die Niederlassungen Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Nürnberg und München.

Wann werden Sie neues Personal einstellen?

Wenn wir den Stellenabbau hinter uns haben, sollte sich die Lage normalisieren. Wir kamen aber wegen des starren deutschen Arbeitsrechts nur langsam voran. Wir verhandeln noch mit dem Compaq-Betriebsrat über 300 der 1100 Jobs. In Großbritannien ging das schneller, HP stellt dort wieder ein.

Werden Sie hier zu Lande weiter investieren?

Vorerst nicht. Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind zu unsicher. Das Land ist überreguliert, die Abgaben sind zu hoch. Von unseren 7800 Mitarbeitern arbeiten 2000 im internationalen Bereich. Gerade bei internationalen Aktivitäten werden wir uns künftig mit Investitionen in Deutschland sehr zurückhalten, weil die Konditionen in anderen europäischen Ländern besser sind. Das gilt für den Investor und für den einzelnen Mitarbeiter.

Dem Geschäft hat die Übernahme offenbar nicht genutzt – bei PCs ist der Marktanteil von HP eingebrochen.

Wir mussten bei PCs einige Produktlinien aus dem Programm nehmen, weil sie sich überschnitten haben. Zum Beispiel haben wir bei PCs und Notebooks die Presario-Linie von Compaq gestrichen und konzentrieren uns im Privatkundenbereich auf die Pavillon-Serie. Das hat uns bei PCs und in einigen anderen Marktsegmenten Umsatz und Marktanteile gekostet. Das ist jetzt vorbei, und wir bringen die ersten gemeinsamen Produktlinien auf den Markt.

Discounter wie Aldi und Penny beherrschen heute den PC-Markt weitgehend. Ist das eine Gefahr für HP?

Nein. Wir verkaufen unsere Produkte für Privatkunden selbst über diesen Vertriebsweg, sowohl Drucker als auch PCs.

Ihrem Image als Markenhersteller ist das aber nicht zuträglich.

Es kann in unserer Branche nachteilig sein, nur auf hohe Qualität und hohe Preise zu setzen. Es gibt immer Anbieter , die einen unterbieten – früher waren es die Japaner, heute vielleicht Medion. Das Niedrigpreissegment ist aber stark wachsend und auch für uns sehr wichtig. Deshalb wollen wir dort vertreten sein.

Wie schaffen Sie das?

Das fängt schon bei der Entwicklung an. Wir setzen einen Zielpreis fest und überlegen dann, wie das Produkt beschaffen sein muss und wie es produziert werden kann, um diesen Preis zu erreichen. Dafür haben wir spezielle Produkte und Produktionsverfahren entwickelt. So können wir in SB-Märkten den Deskjet 3420 für 59 Euro anbieten.

Und holen sich dann das Geld über den Verkauf der Druckerpatronen wieder rein.

Es kann im Niedrigpreissegment vorkommen, dass das Verbrauchsmaterial fast so teuer ist wie der Drucker selbst. Der Preis für die Patronen ist aber gerechtfertigt. Das ist Hightech, zusammengesetzt aus Nanotechnologie und Tinte. Aus dem Druckkopf schießen neun Millionen Tropfen Tinte pro Sekunde. Diese Technik zu entwickeln hat Millionen gekostet, dieses Geld wollen wir wieder reinbekommen.

Warum ist die erste Patrone dann halb leer?

Es soll Hersteller geben, bei denen dies der Fall ist, um den Preis niedrig zu halten. Das betrifft nicht HP. Grundsätzlich gilt: Je billiger die Hardware, desto geringer die Füllmenge der Patronen, desto teurer die gedruckte Seite. Wenn man nur wenige Seiten im Monat druckt, schlägt das nicht zu Buche. Beim professionellen Einsatz sollte man sich überlegen, ob sich ein Einstiegsdrucker rechnet.

Das Gespräch führte Maurice Shahd.

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