Wirtschaft : Mit leeren Taschen übers Minenfeld

Alfons Frese

Ist es bittere Ironie oder doch eher eine selbstbewusste Art, mit leeren Taschen übers politische Minenfeld zu laufen? Berlins Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch glaubt an eine "Vorreiterrolle", in der die klamme Hauptstadt sich profilieren könnte: "Politik ohne Geld - da können die anderen von uns lernen", meint die rechte Hand von Gregor Gysi.

Die Berufung von Strauch, bis dahin Geschäftsführer der Berliner IHK, gilt als die bislang beste Entscheidung Gysis. Ganz oben auf der Prioritätenliste Strauchs steht die Einrichtung einer so genannten One-Stop-Agency als eine Anlaufstelle für Unternehmen. So etwas gibt es zwar schon mit der Investorenleitstelle im Haus des Wirtschaftssenators. Doch der Leitstelle fehlt die "Koordinierungsmacht", wie Strauch sagt: Termine festlegen, Fristen setzen und Entscheidungen erzwingen. Also die Senats-und Bezirksverwaltungen an einen Tisch bringen und ihnen Dampf machen. Außer der Zusammenführung von Verwaltungen will Strauch die Zusammenarbeit der Förderinstitute verbessern. Aber bloß nicht mit "Brachialgewalt, das bringt nichts". Er hat insbesondere die Investitionsbank (IBB) und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) im Auge. Die IBB, die aus der Wohnungsbaukreditanstalt (WBK) hervorging, wickelt unter anderem die Förderprogramme des Landes ab. Dass die Bank als Standortverkäufer auftritt, ist für Strauch ziemlich ausgeschlossen. Das soll Aufgabe der WFB bleiben.

Der Staatssekretär weiß sehr wohl um die Bedeutung von Biotechnologie und Medizin und bewertet entsprechend die Koalitionsvereinbarung zur Schließung der medizinischen Fakultät der FU. Er sei "froh", dass nun eine Expertenkommission den Beschluss überprüfe. Schließlich erwartet Strauch von dem Bereich Life-Sciences in den kommenden Jahren eine ähnliche Wirkung, wie sie die Informationstechnologien in den 80er und 90er Jahre hatten. Da klingt ein bisschen Zweckoptimismus durch, wenn er sagt, dass "wir auf diesem Feld der Zukunft mit Institutionen gut ausgerüstet sind" - in der Wissenschaft, in der Medizintechnik und Biomedizin, aber auch in der Ernährungsindustrie.

Vor Prognosen über die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr hält sich der Staatssekretär noch zurück. "Gott sei Dank" hat er trotz der hohen Arbeitslosigkeit "soziale Ruhe" in der Stadt ausgemacht. Das müsse wohl auch mit der Bedeutung des "informellen Sektors" zusammenhängen. Anders gesagt: Die Schwarzarbeit bringt offenbar so manchem Arbeitslosen einige Euros nebenbei.

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