Wirtschaft : Mit mehr Ehrlichkeit auf Kurskorrektur (Kommentar)

Margarita Chiari

Bauindustriepräsident Ignaz Walter ist ein Mann der starken Worte. Von diplomatischen Floskeln hält der Verbandschef, der zugleich einer der erfolgsreichsten deutschen Bauunternehmer ist, reichlich wenig. Seine Generalabrechnung mit der deutschen Politik, die in seinen Augen ein einziges "Chaotenspiel" ist, passt deshalb gut ins Bild. Seine Klage, dass die Gespräche über ein Bündnis für Arbeit sich zunehmend zu einer "Farce" entwickeln, ist richtig. Seine Forderung, aus den Verhandlungen auszusteigen, ist nur konsequent. Doch ob der Sache, ob den Verbandsmitgliedern damit gedient ist, bleibt dahingestellt.

Die einseitige Klage über die Verfehlungen der Politik und die Forderung nach "fairen" Rahmenbedingungen für den Wettbewerb helfen den Unternehmen nicht weiter. Nicht die schwache Konjunktur, sondern das Übermaß an Kapazitäten ist das Problem der Baubranche. Die Betriebe leiden nicht allein an schlechten Rahmenbedingungen, die die Politik vorgibt, sondern an den - auch eigenen - Fehlern der Vergangenheit. Im Baurausch Anfang der neunziger Jahre hat die Branche im Eilschritt enorme Kapazitäten aufgebaut, die sie nun nicht mehr benötigt, und wohl nie mehr benötigen wird. Und die Politik hat durch großzügige Abschreibungsbedingungen eifrig dazu beigetragen - und zu spät die Fehlentwicklungen erkannt. Eines aber ist nun sicher: Am Abbau dieser Überkapazitäten, so schmerzvoll er ist, führt kein Weg vorbei.

Es ist der falsche Weg, nun nach dem Flankenschutz der Politik zu rufen. Das Eingreifen von Bundeskanzler Gerhard Schröder bei Philipp Holzmann hat nur zu deutlich gezeigt, dass damit nur der Weg zu neuen Wettbewerbsverzerrungen und Problemen geöffnet wird. Viele Bauunternehmen haben sich zu lange auf die Hilfestellung der Politik verlassen. Sie haben nötige Umstrukturierungen und Modernisierungen in der Bautechnik verschlafen. Der Bautarifvertrag ist bis heute weitaus unflexibler als jener anderer Branchen - und er wurde auch von den Arbeitgebern unterschrieben. Mit mehr Ehrlichkeit, mehr Unterstützung für die dringend nötige Kurskorrektur wäre den Unternehmen eher gedient als mit der Generalschelte der Politik.

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