Wirtschaft : Mit neuen Autos aus der Krise

Detroit Motor Show: VW baut Minivan mit Chrysler / Dreirad-Studie für den US-Markt

Alfons Frese

Berlin - Volkswagen und Chrysler werden heute Details ihrer Kooperation für den Bau eines Minivans in den USA vorstellen. Das Auto soll 2008 auf den Markt kommen und dazu beitragen, dass VW in den USA wieder Gewinn einfährt. Das Absatzpotenzial wird mit 40 000 Fahrzeugen pro Jahr veranschlagt. Bereits am Mittwoch stellten die Wolfsburger anlässlich der Los Angeles Auto Show ein neuartiges Fahrzeug mit drei Rädern vor. Die Mischung aus Sportwagen und Motorrad wurde von kalifornischen Entwicklern und Designern konzipiert und trägt den Namen GX3. Ob das „Motorrad mit VW-Zeichen“ jemals auf den Markt kommt, hängt ab vom „Feedback der amerikanischen Kunden“, teilte VW mit.

Das ungewöhnliche Fahrzeug erinnert auf den ersten Blick an eine Seifenkiste, verfügt aber über einen 1,6-Liter-Motor. Der Vierzylinder treibt das Dreirad mit immerhin 125 PS an, so dass bereits nach 5,7 Sekunden 100 km/h erreicht werden. VW spricht in einer Produktbeschreibung von „Werten reinrassiger Sportwagen, realisiert von einem Fahrzeug in einer potenziellen Preisklasse von unter 17 000 Dollar“. Konzipiert wurde der Zweisitzer vom „Moonraker“-Team, das in Kalifornien spezielle Volkswagen für die US-Kunden entwickeln soll. Das ist auch dringend erforderlich, denn VW verliert dramatisch viel Geld in den USA. 2004 betrug der Verlust rund eine Milliarde Euro und 2005 dürfte das nicht weniger gewesen sein. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hat angedeutet, dass auch im neuen Jahr ein dicker Verlust eingefahren wird.

Im kommenden Sommer nimmt VW das Oberklassemodell Phaeton vom US-Markt, weil der Aufwand für eine behördlich vorgegebene Ummotorisierung zu aufwändig wäre angesichts der enttäuschenden Verkaufszahlen. In den ersten elf Monaten 2006 verkaufte VW in den USA mit knapp 200 000 Autos gut 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dagegen wird BMW inklusive der Kleinwagenmarke Mini im Gesamtjahr 2005 erstmals mehr als 300 000 Autos absetzen. Mercedes-Benz bleibt mit rund 215 000 Autos knapp unter dem Vorjahresniveau. Alles in allem sank 2005 der Marktanteil der deutschen Modelle in Nordamerika leicht auf fünf Prozent.

Die USA sind mit 17 Millionen verkauften Neuwagen pro Jahr der mit Abstand wichtigste Automarkt. Entsprechende Bedeutung kommt der „North American International Autoshow“ zu, die am kommenden Wochenende beginnt. Mercedes zeigt dort mit der neuen GL-Klasse einen Luxus-Geländewagen, BMW den neuen Z4 Roadster. Im Mittelpunkt stehen aber traditionell die „Platzhirsche“, also General Motors (GM), Ford und Chrysler. Die „Big Three“ werden vor allem von japanischen und koreanischen Herstellern bedrängt und haben im vergangenen Jahr weiter Marktanteile verloren. Inzwischen ist nur noch gut die Hälfte der in den USA verkauften Autos ein GM, Ford oder Chrysler. Während sich Chrysler gut schlägt und Gewinn macht, schreiben Ford und GM Milliardenverluste und müssen Zehntausende entlassen. Ford kündigte am Mittwoch die Vorstellung eines so genannten Restrukturierungsplans in knapp drei Wochen an. Vermutlich werden zehn Fabriken geschlossen und 30 000 von 100 000 Ford-Arbeitsplätzen in Nordamerika gestrichen. Ein ähnliches Sanierungsprogramm hatte GM vor einigen Wochen und Chrysler bereits 2001 aufgelegt.

Unterdessen teilte Renault mit, im vergangenen Jahr 2,52 Millionen Autos verkauft zu haben. Die Rekordzahl verdankt sich dem Erfolg des Billigautos Logan, das von der rumänischen Renault-Tochter Dacia gebaut wird, und der südkoreanischen Tochterfirma. Der Absatz der Kernmarke Renault sank dagegen um 2,6 Prozent auf 2,25 Millionen Autos.

Die Porsche AG kündigte am Mittwoch die Ausgabe von zwei Anleihen an, „um die Struktur der Liquidität zu optimieren“. Volumen und Konditionen sollen später festgelegt werden. Finanzvorstand Holger Härter zufolge hat Porsche Ende des vergangenen Geschäftsjahres 3,6 Milliarden Euro in der Kasse gehabt – „mehr als genug, um unsere Beteiligung an Volkswagen zu finanzieren“. Porsche war im Herbst 2005 mit rund 20 Prozent bei VW eingestiegen.

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