Wirtschaft : Mit Optimismus in die Krise Unternehmer erörtern, wo die Chancen liegen

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Berlin – Philipp Röslers Problem ist der Dreisatz. Er beherrscht ihn, viele Schulabgänger in Deutschland hingegen nicht. Beim Tag der Deutschen Industrie wies der Bundeswirtschaftsminister anhand dieses Beispiels auf die inländischen Potenziale hin, die es zu fördern gelte. SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe weiß, wovon Rösler spricht. „SAP hat 600 freie Stellen in Deutschland, doch wir finden keinen Nachwuchs“, sagte er. Deutschland müsse in eine bessere Ausbildung investieren.

Ulrich Grillo, Chef der mittelständischen Grillo-Werke, die auf Metallverarbeitung und Chemieprodukte spezialisiert sind, stimmte ihm zu. Man müsse bereits in Kindergärten anfangen, er selbst habe seine Tochter auf eine britische Schule geschickt, weil die Ausbildung in Deutschland einfach zu schlecht sei. Auf die Frage, ob man in Deutschland investieren solle, sagt Grillo: „Ja, aber ...“ Und dann: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ So sei seiner Ansicht nach beispielsweise die Rohstoff- und Energieversorgung nicht ausreichend gesichert.

Ein Ja ohne Aber kam dagegen von Ahmad Mohamed Al-Sayed: Er ist Chef der Qatar Holding, die in VW, Porsche und Hochtief investiert hat. Es gebe zwei Dinge, weshalb sich das lohne: „Deutschland birgt Talent und hat exzellente Produkte.“ Die Bundesrepublik müsse sich noch stärker auf technologische Innovationen konzentrieren. „Ihr wollt doch nicht zu spät kommen“, rief er in den Saal. Er will sein Engagement als Investor in Deutschland ausbauen. „Wir freuen uns darauf, unsere Position hier in Deutschland zu stärken“, sagte Al-Sayed. Martin Plendl, Chef der Unternehmensberatung Deloitte, schloss sich dem an und plädierte für einen „Schulterschluss“ mit den Golfstaaten.

„Weiter Aufschwung oder zurück in die Krise?“, war eine der Fragen, mit der sich in einer weiteren Runde beim Tag der Deutschen Wirtschaft vier Unternehmer befassten. BP-Europa-Chef Uwe Franke forderte, dass die Politik agieren müsse: „Entscheidend ist, dass das Vertrauen wiederhergestellt wird.“ Auch Stabilität und Planungssicherheit seien in Zukunft wichtig. Franke sieht Deutschland europaweit jedoch am besten gegen ein Überschwappen der Krise auf die Realwirtschaft gewappnet. Dass Deutschland gut aufgestellt sei, sollte die Krise kommen, darin waren sich alle Beteiligten einig, darunter auch BASF-Chef Kurt Bock. „Wir sind gut aus der letzten Krise gekommen, daher können wir auch beruhigt in die Zukunft blicken“, sagte Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. Er warnte vor allen Dingen davor, die Krise herbeizureden.

Ingeborg Neumann, geschäftsführende Gesellschafterin der Peppermint Holding GmbH, bestätigte, dass auch der Mittelstand gut dastehe, da die meisten Unternehmen ihr Eigenkapital erhöhen konnten. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei nun ein ausreichendes Polster wichtig. jba

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