• Mit Optionsscheinen auf Neue-Markt-Aktien viel Geld zu machen - das wünschen sich viele Anleger. Oft platzen die Träume

Wirtschaft : Mit Optionsscheinen auf Neue-Markt-Aktien viel Geld zu machen - das wünschen sich viele Anleger. Oft platzen die Träume

Kathrin Quandt

Es war noch nie eine gute Idee, sich ohne umfassende Informationen in Termingeschäfte zu stürzen. Das gilt insbesondere für Derivate-Engagements auf den Neuen Markt. Wer mit Optionsscheinen auf Wachstumsaktien spekulieren will, sollte vor allem auf die Aufgelder und damit die Preise der Scheine schauen.

Warum die Aufgelder - bis zu 50 Prozent gilt schon fast als üblich - bei Scheinen auf Neue-Markt-Werte so hoch sind, ist kein Geheimnis. Die Kurse der Wachstumstitel schwanken eben stark. Das heißt für die Bank, den Verkäufer der Optionsscheine: Sie geht ein hohes Risiko ein, dass sich die Aktienkurse in die vom Käufer gewünschte Richtung bewegen. Folglich erhöhen die Geldhäuser die Aufgelder und damit auch die Preise für die Scheine.

Allerdings sind die Aufgelder, deren Höhe von den Schwankungen (der Volatilität) des Basiswerts, nur ein Bestimmungsfaktor für den Optionspreis. Denn auch der so genannte innere Wert beeinflusst die Preise. Er hängt ab von der Differenz zwischen dem Basispreis, zu dem der Titel bei Ausübung des Optionsrechts bezogen werden kann, und dem aktuellen Aktienkurs. Zum Beispiel sind die Aufgelder bei Kaufoptionsscheinen (Calls), die am Geld liegen (Basispreis entspricht dem aktuellen Kurs), höher als bei solchen, die im Geld oder aus dem Geld liegen; bei Scheinen im Geld ist der Basispreis niedriger als der aktuelle Aktienkurs, bei solchen aus dem Geld ist es umgekehrt. Denn bei Calls am Geld sind die Chancen höher, dass der Schein mit der nächsten Kursbewegung ins Geld kommt - was für den Käufer vorteilhaft wäre. Das müssen Anleger bedenken, wenn sie die unterschiedlichen Aufgelder bei Scheinen auf denselben Basiswert vergleichen.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Aufgelder bei Verkaufsoptionsscheinen (Puts) gegenell höher sind als bei Calls. "Kursbewegungen nach unten sind oft stärker ausgeprägt als solche nach oben" sagt Derivate-Experte Frank Burkhardt von der Société Générale. "Wenn es kracht, dann richtig." Demzufolge wird bei Puts in der Regel eine höhere Volatilität als bei Calls zu Grunde gelegt.

Scheine auf Aktienneulinge an der Wachstumsbörse sind besonders teuer. Kein Wunder, denn es liegen keine historischen Daten über die Volatilität der Kurse vor. Und die emittierende Bank dürfte vorsichtig schätzen, beim Optionsscheinpreis also ausreichend aufschlagen. Hat sich der Aktienkurs dann nach möglichen anfänglichen Kapriolen beruhigt, müssten die Aufgelder sinken - das sollten Anleger genau beobachten. Hilfreich für die Beobachtung und Berechnung der Volatilität ist übrigens ein Optionsscheinrechner der Deutschen Bank ( http://www.deutsche-bank.de/derivate ). Ansonsten ist schwer zu beurteilen, ob Aufgelder gerechtfertigt sind. Orientierungshilfe kann ein Vergleich der Aufgelder bei jeweils etablierten Unternehmen in anderen Marktsegmenten bieten, etwa SAP als Maßstab für Softwareaktien.

Die Frage der Wahl des richtigen Basiswertes für Calls oder Puts fällt da schon etwas leichter. Der Hinweis vieler Analysten, sich schon wegen der Liquidität am besten an große Werte oder Marktführer in Wachstumsbranchen zu halten, scheint einleuchtend. Ob die Kurse dieser Flaggschiffe steigen oder sinken werden, also Calls oder Puts sinnvoll sind, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Für den Nordinvest-Fondsmanager Marc Schädler ist Singulus der absolute Star im nächsten Jahr. Schließlich produziert das Unternehmen Maschinen für digitale Video Discs, die "Tonträger der Zukunft". In vier Monaten könnten die Titel auf 80 Euro steigen. Bei EM.TV dagegen rät er wegen der bereits hohen Bewertung zu Puts - wohlgemerkt nur kurzfristig. Denn bis zum Jahresende könnte der Wert bis auf 50 Euro nachgeben. Ein Kandidat für Puts sei auch LHS.

Indessen ist Fondsmanager Andre Köttner von Union Investment der Meinung, dass LHS in einem "attraktiven Wachstumsmarkt" tätig sei und daher gute Aussichten auf Kursgewinne habe. Außerdem setzt er auf Intershop. Der Anbieter von Software zur Einrichtung virtueller Shops sei einer der wenigen Europäer, der im Wachstumsmarkt USA Erfolg habe. Auch bei Qiagen rechnet er mit Kurszuwächsen.

Auch die BHF-Bank rät zu einem Call bei Qiagen am Geld. Denn Qiagen habe seit dem Gang an den Neuen Markt permanent seinen Gewinn gesteigert. "Und Gentechnologie ist ein Wachstumsmarkt", erklärt Rüdiger Wolf, Direktor bei der BHF-Bank.

Wer die Tipps der Banken beherzigt, sollte sich aber vor Augen halten, dass hohe Volatilitäten ihm am Neuen Markt einen Strich durch die Rechnung machen können. Verluste auszusitzen bringt hier wenig, zumal der Wert der Optionsscheine im Zeitablauf abnimmt. Nur mutige Spekulanten sollten sich an die Scheine herantrauen.

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