Wirtschaft : Mit Pattex gegen ABC- Waffen

Ein Merkblatt der US-Regierung zur Selbsthilfe bei Terrorangriffen hat einen Boom ausgelöst: Amerika kauft Henkel-Klebebänder

Julia Gebert

Von den Deutschen halten die Amerikaner im Augenblick nicht besonders viel. Bei deutschem Klebeband ist das anders: Sollten Terroristen in den kommenden Wochen und Monaten in den USA Anschläge mit ABC-Waffen verüben, werden sie auf eine gut gerüstete Bevölkerung stoßen. Denn die Amerikaner kaufen deutsches Klebeband, vorzugsweise von der Firma Henkel, um Fenster und Türen zu versiegeln.

Längst sind nicht nur die steigenden Öl- und Goldpreise Indikatoren dafür, wie bedroht sich die Bevölkerung der Industrienationen fühlt. Die Angst der Amerikaner lässt sich auch an ihren Hamsterkäufen ablesen: Gekauft werden Wasser, Verbandsmaterial, Batterien, Konserven – und „Duck Power Tape“, das in Deutschland unter dem Namen Pattex verkauft wird.

Der Auslöser für den Run auf das Klebeband war ein Mitte letzter Woche veröffentlichter Bericht des Weißen Hauses mit Maßnahmen, die im Falle eines Angriffs mit ABC-Waffen auf die USA von jedem Bürger zu ergreifen sind. Neben Standardwarnungen vor herrenlosen Taschen und verdächtigen Briefkuverts werden auch sehr konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Die Regierung rät den Bürgern, sich Verbandsmaterial und eben jenes Klebeband anzuschaffen, um im Falle eines Angriffs Erste Hilfe leisten zu können und Türen und Fenster ganz dicht verschließen zu können.

Das meist verkaufte Klebeband

Das im Kapitel „Vorbereitungen für einen Angriff mit biologischen oder chemischem Waffen“ erwähnte Klebeband ist bei vielen Baumärkten und Katastrophenartikel-Händlern bereits ausverkauft. Erstaunt von dieser Entwicklung berichtete das „Wall Street Journal Europe“ bereits von Überstunden bei Henkel, die angeordnet worden seien, um die Nachfrage in den USA zu decken. Der Sprecher des Unternehmens bestätigt die große Nachfrage: „Seit dem Erscheinen des Regierungsberichts haben wir unsere Produktion um 40 Prozent gesteigert“. Und das wird auf absehbare Zeit so bleiben. „Die meisten Händler stehen mit leeren Regalen da und warten dringend auf unsere Lieferung. Der Bedarf an Klebeband wird eher ansteigen als zurückgehen.“

Das „Duck Power Tape“ von Henkel ist in den USA ein Dauerbrenner. Im Jahr 2001 machte Henkel dort allein mit Klebstoffen rund 303 Millionen Dollar Umsatz, damit hat der amerikanische Markt einen Anteil von 20 Prozent am gesamten Absatz. In den Regionen, in denen die Angst vor einem Krieg am größten ist, verkauft sich das Band noch besser als sonst: In den großen Städten an der Ostküste und im Bundesstaat Texas wurden Steigerungen um das Doppelt- bis Dreifache erzielt.

Die lebhafte Nachfrage hält vermutlich an, denn schon lange ist „das Duck Tape eine feste Institution in amerikanischen Haushalten. Das hat jeder Amerikaner in seinem Kofferraum,“ sagt Melanie Amato, Sprecherin der amerikanischen Henkel-Tochter in Ohio. Obwohl bisher noch „niemand nachgewiesen hat, dass das Klebeband im Ernstfall tatsächlich chemische Gase abhält. Wir haben es nur im Haushalt und Malerbetrieb getestet“, sagt Frau Amato. „Aber das sagen wir nur denen, die uns danach fragen.“

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