Wirtschaft : Mit Propellerflugzeug in die Moderne

Vor 50 Jahren wurde die Lufthansa neu gegründet

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der erste Flug, der mit einer Propellermaschine von Hamburg über Düsseldorf und Frankfurt am Main nach München führt, ist eine kleine Sensation. Gerade 17 Passagiere sitzen in der silbergrauen Convair 340. Knapp zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges darf die Lufthansa den Flugbetrieb wieder aufnehmen.

Der 1. April 1955 markiert den Beginn einer Erfolgsgeschichte, die nur am Anfang der neunziger Jahre einmal auf der Kippe stand. Am 1. April feiert die Airline mit dem Kranich auf dem Leitwerk mit Flügen auf den ersten Strecken und Partys in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München das 50-jährige Jubiläum ihrer Wiedergeburt.

Mit der Besetzung des Flughafens Tempelhof in Berlin durch russische Truppen im April 1945 war das erste Kapitel in der Geschichte der Lufthansa zu Ende gegangen, nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung als „Deutsche Luft Hansa“ am 6. Januar 1926, ebenfalls in Berlin. Endgültig aufgelöst wird die alte Lufthansa von den Alliierten erst 1950.

Nur drei Jahre später gelingt dem früheren Verkehrsleiter Hans M. Bongers mit anderen Ex-Lufthanseaten die Wiederbelebung: Am 6. Januar 1953 wird die „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“ (Luftag) gegründet. Im August 1954 gibt sich das Unternehmen seinen alten Namen wieder: „Deutsche Lufthansa AG“. Als die ersten Maschinen starten, ist der Flugplan ein Faltblatt. Innerdeutsch starteten damals nur vier Flüge täglich.

Später steht die Lufthansa für Meilensteine in der Luftfahrtgeschichte. 1960 bricht mit der Boeing 707 das Jet-Zeitalter an, als erste Fluggesellschaft ordert sie fünf Jahre später den Kurzstreckenjet Boeing 737, weitere fünf Jahre später kommt mit der Boeing 747 der erste Jumbo. Auch der europäische Flugzeugbauer Airbus verdankt seinen Erfolg maßgeblich der Lufthansa: Der neue Supervogel A380 wird 2007 erstmals für Lufthansa abheben.

Auch in ihrer Organisation und Eigentümerstruktur hat die Lufthansa Marksteine gesetzt. Der Staat hat bei ihr im Gegensatz zu vielen anderen Airlines in Europa längst nicht mehr das Sagen. Der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber, ein Verfechter des offenen Himmels und des freien Wettbewerbs, leitete 1994 die Privatisierung ein. Drei Jahre später sind alle Aktien des Bundes verkauft.

Weber musste zuvor allerdings die größte Krise des Unternehmens bewältigen. Überzogene Investitionen und eine aufgeblähte Flotte verursachen Ende der achtziger Jahre eine gefährliche Schieflage. Von 1991 bis 1993 fliegt die Lufthansa Verluste von mehr als 900 Millionen D-Mark ein – und steht kurz vor dem Aus. Doch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rettet die Lufthansa mit einer halben Milliarde. Nach einem harten Sanierungskurs schreibt das Unternehmen 1994 wieder schwarze Zahlen.

Spätestens mit Webers Ausscheiden im Sommer 2003 gilt die Fluggesellschaft als eine der solidesten und finanzkräftigsten Airlines der Welt. Die durch den Irakkrieg und die Lungenseuche Sars ausgelöste Luftfahrtkrise im Jahr 2003 belastet zwar auch die Lufthansa mit einem Verlust von fast einer Milliarde Euro; aber die Existenz steht diesmal nicht auf dem Spiel. Auch der wachsenden Konkurrenz durch Billigflieger wie Ryanair und Co. kann Lufthansa (noch) trotzen. Und in seinem Jubiläumsjahr hat der Konzern mit weltweit rund 93 000 Mitarbeitern und 380 Flugzeugen wieder einen Meilenstein gesetzt: Mit der Schweizer Swiss übernimmt die Lufthansa zum ersten Mal eine renommierte Gesellschaft im Ausland.

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