Wirtschaft : Mit "Regent" soll der Nahverkehr neu organisiert werden

Mit eigenständigen Regionalbahnen will die Deutsche Bahn AG den Nahverkehr attraktiver und kostengünstiger gestalten. Ein am Freitag von Bahnkreisen bestätigtes Modell für die regionale Netzentwicklung (Regent) sieht die Gründung von 37 eigenständigen Regionalbahnen vor, die den Betrieb von Nebenstrecken mit einer Gesamtlänge von 9000 Kilometern übernehmen sollen. Das ist fast ein Viertel des Schienennetzes in Deutschland. Die Regionalbahnen könnten von der Nahverkehrstochter selbst, in Kooperation mit anderen Partnern oder ganz von Bahn-Wettbewerbern betrieben werden.

Das noch im Versuchsstadium befindliche Modell ist ein erster Schritt von Bahnchef Hartmut Mehdorn, die starre Teilung des Bahnkonzerns in fünf eigenständige Bahntöchter aufzuweichen und das Streckennetz und den Betrieb einschließlich der Bahnhöfe auf örtlicher Ebene zusammenzuführen. Das Modell dürfte auch auf der Aufsichtsratssitzung der bundeseigenen Bahn AG am 1. März zur Sprache kommen.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Bahn-Aufsichtsrat Albert Schmidt, begrüßte die Überlegungen. "Regent" sei eine "ungeheure Chance für mehr Wettbewerb auf der Schiene". Auch Kommunen könnten als Gesellschafter einsteigen. Aus Sicht der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED) ist das Modell dann begrüßenswert, wenn Strecken erhalten werden, die sonst geschlossen werden müssten. Sprecher Hubert Kummer verwies darauf, dass es noch offen sei, ob das Modell mit den zwei Varianten zum Tragen komme. So könnten die Strecken bahnintern neu zugeordnet werden statt bisher nur der DB Netz AG. Dies hätte keine Auswirkungen für die Arbeitsplätze. Es könnte sich aber auch ein anderer Betreiber für die Strecke finden lassen. In einem solchen Fall werde die GdED darauf drängen, dass keine Stellen abgebaut werden und Mitarbeiter in der ausgegliederten Regionalbahn zu Bahn-Tarifen beschäftigt werden.

Der Bahn-Vorstand verspricht sich von dem Modell nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" einen besseren Service für die Fahrgäste und eine deutliche Reduzierung vor allem der Personalkosten.

Dies scheint umso dringlicher, als sich das Ergebnis der Bahn halbiert haben soll. Wie es aus Bahnkreisen hieß, soll das Jahresergebnis für 1999 rund 170 Millionen Mark betragen. Im Vorjahr hatte die Bahn noch 394 Millionen Mark Gewinn erzielt. Dieses Mal habe das operative Geschäft 170 Millionen Mark Verluste gebracht. Es habe nur ausgeglichen werden können durch das Mobilisieren von Finanzreserven und außerordentliche Erträge von insgesamt rund 340 Millionen Mark. Der Umsatz der Bahn AG sei leicht auf 30,3 (Vorjahr 33,0) Milliarden Mark gestiegen. Die Investitionen seien von 14,98 Milliarden Mark um nahezu zwei Milliarden Mark aufgestockt worden. Gab es 1998 mit 252 468 noch mehr als eine Viertelmillion aktive Eisenbahner, so waren es im vergangenen Jahr noch 241 601. Um rund 280 Millionen Mark oder vier Prozent schrumpfte der Umsatz der Gütertochter DB Cargo. Er betrug nur noch 68 Milliarden Mark.

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