Wirtschaft : Mit Rucksack und norddeutschem Charme Anshu Jain und Jürgen Fitschen rücken an die Spitze

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Frankfurt am Main - Noch müssen sich die beiden Herren fast vier Monate gedulden. Auch auf der Hauptversammlung am 31. Mai in der Frankfurter Festhalle. Erst dann werden Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Ko-Vorstandschefs bestimmen, wie es nach der Ära Josef Ackermann bei der Deutschen Bank weitergeht. Seit Mitte vergangenen Jahres steht fest, dass die Bank wieder einmal von einem Duo geführt wird, nachdem Ackermanns Wunschkandidat Axel Weber abgewinkt hatte. Der Ex-Bundesbank-Präsident geht schon in wenigen Monaten zur schweizerischen UBS.

Jain und Fitschen sind gleichwohl alles andere als zweite Wahl. Und sie scheinen, wie auch am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz der Bank deutlich wurde, an einem Strang ziehen zu wollen. Demonstrativ kamen Jain und Fitschen im Hermann-Josef-Abs-Saal gemeinsam aufs Podium und demonstrativ mischten sie sich nach dem offiziellen Teil unter die Journalisten.

Dabei könnten die Typen unterschiedlicher nicht sein. Zumindest auf den ersten Blick. Der gebürtige Inder Anshu Jain hat längst einen britischen Pass. Er stammt aus Jaipur im Norden Indiens, sein Vater war Beamter. Cricket- und Safari-Fan Jain studiert Volks- und Betriebswirtschaft, die Finanzmärkte ziehen ihn in den Bann. 1995 startet er seine Karriere in New York. Über die Investmentbank Merrill Lynch kommt Anshu – eigentlich heißt er Anshuman – mit gerade einmal 32 Jahren zur Deutschen Bank. Als sein Mentor Edson Mitchell Ende 2000 bei einem Flugzeugabsturz stirbt, übernimmt Jain die Leitung der Investmentsparte und führt sie von London aus in die Weltspitze. Zeitweise erwirtschaftet sie mehr als 80 Prozent des Gewinns der Deutschen Bank. Der brillante Analytiker wird als „Regenmacher“ tituliert und verdient mehr als Bank-Chef Ackermann. Trotz seines Erfolges hat der zweifache Familienvater keine Allüren, fährt U-Bahn und gibt sich im Gespräch offen. Weil Jain mit 48 rund 15 Jahre jünger ist als sein künftiger Ko-Chef Jürgen Fitschen, glauben viele, dass er die Bank in wenigen Jahren alleine führen wird.

Auch wenn Fitschen für die Bank rund 17 Jahre im Ausland gearbeitet hat, vor allem in Asien, gilt er als „Mr. Deutschland“ der Deutschen Bank. Der im niedersächsischen Hollenbeck unweit von Stade geborene Sohn eines Landwirts lässt sich zum Handelskaufmann ausbilden und studiert Wirtschaftswissenschaften. Seit 1983 ist er bei der Deutschen Bank, 2001 rückt er in den Vorstand. Seit 2005 ist er Deutschland-Chef. Fitschen gilt als Typ des klassischen Hausbankers und als Experte für das Firmenkundengeschäft. Der unkomplizierte und pragmatische Norddeutsche ist in der Politik hervorragend vernetzt. Auch deshalb hat sich die Bank für die Doppelspitze entschieden.

Die beiden künftigen Chefs kennen und schätzen sich seit mehr als zwölf Jahren. Man rede jeden Tag miteinander, sagt Fitschen. Wie sie ihre Aufgaben aufteilen, wollen die Banker noch nicht sagen. Als Erste sollen das die Top-Manager erfahren – im April auf einem Führungskräftetreffen. Rolf Obertreis

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