Wirtschaft : Mit Selbstbewußtsein durch die Krise

VANESSA LIERTZ

DÜSSELDORF .Ein Jahr schon brodeln die Krisenherde in der Finanzwelt.Den Glauben an die Aktie als Geldanlage hat der deutsche Sparer dennoch nicht verloren."Der Deutsche hat seine Ruhe bewahrt", lobt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt (Main) das Verhalten der hiesigen Aktionäre.Statistiken gebe es zwar noch nicht, dennoch sei schon abzusehen, daß es "nicht zu größeren Umschichtungen gekommen ist" und kaum ein Anleger von der Aktie zum Girokonto geflüchtet sei.Im Gegenteil: Während es im Jahre 1997 nach Schätzungen des DAI noch rund 3,9 Millionen deutsche Aktionäre waren, haben sich im ersten Halbjahr 1998 immerhin schon knapp 4,4 Millionen für die Aktie als Geldanlage entschieden.

Die Finanzkrise hat die meisten deutschen Aktionäre aber auch deswegen nicht in Panik versetzt, weil ihr Aktienportfolio ohnehin zu über 95 Prozent Wertpapiere aus Europa oder aus Amerika enthält, schätzt Leven.Seine Worte bestätigen die Erfahrungen von Thomas Mustroph, der als Vermögensberater für die Dresdner Bank arbeitet: "Meine Anleger sind fast gar nicht in Asien oder Osteuropa engagiert", sagt er.Titel aus dieser Region habe er sowieso "nur Menschen empfohlen, die eher spekulativ veranlagt sind".Der konservative Kleinanleger konnte sein Geld im vergangenen Jahr ordentlich mehren - vorausgesetzt, er hatte früh genug gekauft oder verkauft.Mit der SAP-Aktie etwa waren zeitweise Gewinne von über 500 Prozent möglich.Und den extremen Kursschwankungen zum Trotz: Mustroph ist der Ansicht, das SAP-Papier "ist wohl der klassische deutsche Standardwert, der sich im vergangenen Jahr am besten entwickelt hat".Auch die Mannesmann-Aktie etwa - "ein Titel, der seit zehn Jahren zu den besten überhaupt gehört" - hat ihren Aktionären im vergangenen Jahr einen schönen Geldregen beschert.Als Faustregel kann Mustroph sagen: Wer in den Sommermonaten dieses Jahres eingestiegen ist, macht jetzt mit seinen Titeln Minus.Anleger, die sich von den Dax-Ständen im Juli von über 6000 Punkten haben betören lassen, mußten draufzahlen.Jedoch mag gut Ding noch immer Weile haben, schließlich ist der Dax auch in diesem Jahr bereits um fünf Prozent gestiegen, was freilich im Vergleich zum Jahre 1996 (28 Prozent) und zum Jahre 1996 (47 Prozent) kaum einen Aktionär begeistern dürfte.

In jedem Falle konnte derjenige, der sich noch im Herbst 1997 bei soliden deutschen Titeln eingekauft hat, sein Geld auf dem Parkett mehren.Die Aktien haben den Turbulenzen getrotzt und zumindest über ein Jahr hinweg "locker Gewinne von über 40 Prozent gebracht", sagt Mustroph - und: "Probieren Sie das mal mit Festverzinslichen oder mit einem Sparkonto."

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