Wirtschaft : Mit Sicherheit ärmer

Warum die Deutschen ihr Sparbuch lieben

Laura Höflinger
Foto: picture-alliance / gms

Berlin - Am liebsten hat der Deutsche sein Geld dort, wo es sicher ist. Deswegen investiert er nur vorsichtig in Aktien und Hedgefonds. Das gute alte Sparbuch soll es sein: kleine Rendite, kleines Risiko. Schon jetzt haben 60 Prozent der Deutschen ein Sparbuch, weitere 24 Prozent planen eins anzulegen, wie am Dienstag der Deutsche Sparkassen- und Giroverband zum Weltspartag mitteilte. Laut einer Umfrage des Verbands ist Bankkunden die Sicherheit ihres Geldes am wichtigsten. Im Fall des Sparbuchs heißt das leider auch: Mit Sicherheit ärmer. Denn bei einer Inflationsrate von 1,3 Prozent bieten Sparbücher aktuell rund ein Prozent Zinsen.

Rund 590 Milliarden haben die Deutschen mittlerweile als Spareinlage zusammengetragen. Genug, um Islands Schulden bei den Banken zu zahlen, oder 1700 Exemplare der teuersten Yacht der Welt zu kaufen. Doch die Milliarden schlummern ungenutzt vor sich hin; zurückgelegt für schlechte Zeiten, für den nächsten Urlaub, für das neue Auto. Sie existieren als kleine schwarze Zahlen, die der nette Sparkassenangestellte beim Bankbesuch ins rote Büchlein stempelt. Beruhigend zum Anschauen, aber leider „keine sinnvolle Anlage“, sagt Uwe Döhler, Finanzexperte der Stiftung Warentest. Denn während sich das Geld auf dem Sparbuch nur langsam vermehrt, wird es real immer weniger wert – der zukünftige Urlaub damit kürzer, das Auto kleiner. Wer Anfang des Jahres hundert Euro auf sein Konto einzahle, kann davon am Ende des Jahres weniger kaufen: Die Inflation frisst die Zinsen auf.

Und trotzdem machen die Deutschen fleißig weiter. Vielleicht ist es Bequemlichkeit, mutmaßt Döhler. Oder schlechte Erfahrungen in der Krise: „Wer 30 oder 40 Prozent mit Wertpapieren verloren hat, ist so geschockt, als hätte er sich die Finger verbrannt“, sagt er. Dann gilt: Jetzt lieber nur noch sichere Anlagen, egal ob es etwas bringt. Dabei sei ein Tagesgeldkonto die bessere Wahl, sagt Döhler. Es bringt höhere Zinsen und der Inhaber ist flexibler als mit einem Sparbuch, das meist eine feste Kündigungsfrist hat.

Der Anleger habe gelernt, sagt auch Sparkassenpräsident Heinrich Haasis: „Höhere Rendite heißt höheres Risiko.“ Doch jetzt, da die Krisenzeiten offenbar vorbei sind, die Wirtschaft brummt und alle optimistisch sind wie lange nicht, will auch Otto-Normalverbraucher mehr von seinem Geld haben, wie die Umfrage zeigt. Im Vergleich zu 2008 galt die Rendite unter den Befragten wieder als geringfügig wichtiger. „Wir haben Sorge, dass die Gier-Mentalität zurückkommt“, sagte Haasis.

Manche meinen, das Sparbuch stamme noch aus Großmutters Zeiten. Als Oma zur Geburt des Enkels ein Sparbuch überreichte, auf das sie schon mal fünf Mark eingezahlt hatte. Es galt schon damals als sichere Reserve. So auch heute: Wenn ein Kunde an sein Sparbuch kommt, sind 100 Euro immer noch 100 Euro. Es sieht zumindest auf den ersten Blick so aus.

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