Wirtschaft : Mit Sparplänen auf der sicheren Seite

SANDRA SCHUFFELEN (HB)

Auf die Hektik an den internationalen Aktienmärkten lassen sich einige Investoren gar nicht erst ein.Die Rede ist von sicherheitsorientierten Kapitalanlegern, die Kursrisiken ausschließen wollen und daher traditionelle Spareinlagen als Baustein für den Vermögensaufbau bevorzugen.Sie legten allein im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik rund 40 Mrd.DM an.Zu den Favoriten der risikoscheuen Anleger zählt allerdings nicht mehr das klassische Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist und einer Verzinsung von durchschnittlich 1,7 Prozent.Das Interesse richtet sich vielmehr auf Sondersparformen wie Sparpläne, mit denen dynamisch, auf Ziel und per Bonus Kapitalvermögen gebildet werden kann.

Das Risiko bei Sparplänen ist extrem gering, denn selbst im Fall einer Bankenpleite sind Spareinlagen durch sogenannte Feuerwehrfonds der Kreditwirtschaft abgesichert.Bei einer Anlagedauer von zehn Jahren sind mit Sparplänen im Durchschnitt rund fünf Prozent Rendite pro Jahr zu erzielen, also weitaus weniger als mit Sparplänen auf Wertpapierbasis.Dafür geraten Anleger aber nicht in die Bredouille, wenn der Börse mal für längere Zeit die Luft ausgeht.

"Gerade für Anleger, die zu einem festgelegten Zeitpunkt eine bestimmte Summe zur Verfügung haben wollen, ist der Sparplan eine interessante Alternative", meint Lothar Mandel von der Brühler Kreditbank.Auch Bernd Wiedemann, stellvertretender Bereichsleiter der Badischen Beamtenbank in Karlsruhe, hält dieses Bankprodukt für empfehlenswert: "Gerade bei kürzeren Laufzeiten sind Aktien- oder Fondssparpläne entsprechend riskanter." Seit Anfang 1997 hat die Beamtenbank den Plan SparPlus im Programm, den das Institut auch als Baustein der privaten Altersvorsorge empfiehlt.Die Konditionen sind im Vergleich zu anderen Angeboten überdurchschnittlich, was von den Kunden offensichtlich honoriert wird: "Innerhalb eines Jahres haben wir mehr als 10 000 Verträge abgeschlossen", berichtet Wiedemann zufrieden.

Überdurchschnittliche Zinsen gönnt den Kunden auch die Frankfurter Sparkasse mit ihrem 1822-Vermögensplan.Bei einer Anlagedauer von fünf Jahren beträgt die jährliche Rendite 4,99 Prozent, bei sieben Jahren 5,18, bei zehn Jahren 5,44 Prozent.Für die Laufzeit von zehn Jahren ist nur die Dresdner mit ihrem Extra-Sparplan besser: 5,58 Prozent beträgt dort die Rendite."Der Vorteil bei dem 1822-Vermögensplan liegt vor allem darin, daß die Anleger jederzeit aussteigen können, ohne dabei die Prämien zu verlieren", erklärt Wolfgang Keller, stellvertretender Leiter für das Marktsegment Privatkunden der Frankfurter Sparkasse.Die Prämien werden jährlich gutgeschrieben, allerdings liegt die Mindestvertragsdauer - wie bei den meisten Sparplänen - bei drei Jahren.Wer sein Kapital zusätzlich steigern will, kann die anfängliche Sparrate auch dynamisieren.Bei einer jährlichen Erhöhung der Anfangssparrate um beispielsweise 5 Prozent ergeben sich beim Vermögensplan der Frankfurter Sparkasse Renditen von 5,16 (5 Jahre Laufzeit), 5,39 (7 Jahre) und 5,71 (10 Jahre) Prozent.

Bei den Produktnamen geben sich die Bankinstitute im übrigen erfinderisch: Multi-Zins-Sparen, Direkt-Sparplan, Bonusplan, LG Express 2000 oder Classic.Beim Versuch, sich im Dickicht der Angebote zurechtzufinden, kann man schnell den Überblick verlieren.Doch auf den zweiten Blick unterscheiden sich die Konzeptionen der Sparpläne kaum.Unterschiede bestehen vor allem in der Art der Verzinsung.

Im Fall einer festen Verzinsung garantieren die Kreditinstitute den Zinsertrag für die gesamte Laufzeit.Beim Multi-Zins-Sparen der Berliner Volksbank zum Beispiel erhält der Sparer von Jahr zu Jahr höhere Zinsen und erreicht bei einer Laufzeit von fünf Jahren 4,44 Prozent, bei sieben Jahren 4,76 und bei zehn Jahren 5,25 Prozent.Auch die Volkswagen Bank Direct bietet einen Sparplan mit fester Verzinsung an: Die jährlichen Renditen des Direkt-Sparplans liegen bei 4,68 (5 Jahre), 4,90 (7 Jahre) und 5,21 (10 Jahre) Prozent.Wegen der aktuellen Niedrigzinsphase bieten die Mehrzahl der Institute Sparpläne mit variablen Zinssätzen an, so daß die Anleger von steigenden Zinsen profitieren können.Bei variablen Zinssätzen besteht jedoch auch umgekehrt die Gefahr, daß die Institute den Basiszins kappen und die Rendite des Sparplans deutlich verringern.

Die Deutsche Bank beispielsweise rät angesichts des gegenwärtig niedrigen Zinsniveaus von Sparplänen mit festem Zins ausdrücklich ab und bietet neben dem klassischen Bonussparplan einen Sparplan mit sogenannter Festzinsoption an.Dabei wird anstelle eines Bonus ein höherer Grundzins von 4 Prozent gezahlt, außerdem hat der Kunde das Recht, zu einem späteren Zeitpunkt auf angesparte Teilbeträge ab 5000 DM einen festen Zins zu vereinbaren.Die Vorteile dieses Modells: Anleger nehmen durch den variablen Zinssatz an einem möglichen Zinsanstieg teil und können sich in einer späteren Hochzinsphase einen attraktiven Zinssatz sichern.Anders als bei diesem Beispiel ist die Mehrzahl der Sparpläne mit einem Bonussystem ausgestattet.Den Bonus zahlen die Banken entweder jährlich oder am Ende der Laufzeit.Je länger die Vertragsdauer, desto höher der Bonus.Für Auto-Interessierte bietet die Volkswagen Bank Direct einen speziellen Sparplan an: Kunden, die das angesparte Guthaben als Anzahlung für einen Finanzierungsvertrag oder als Sonderzahlung für ein Auto-Leasing-Geschäft verwenden, erhalten einen Zusatzbonus.

Unter steuerlichen Gesichtspunkten sind Sparpläne zu bevorzugen, bei denen der Bonuszins jährlich gezahlt wird.Denn dadurch bleibt der Anleger mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unterhalb der Grenze des Sparerfreibetrags von 6100 DM pro Person (12 200 DM für Verheiratete).Wer jedoch die Zinszahlungen bewußt in die Zukunft - etwa ins steuerbegünstigte Rentenalter - verlagern will, ist mit einem Sparplan, bei dem der Bonus erst am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird, gut bedient.Um zu überprüfen, ob ein Sparplan den persönlichen Anforderungen entspricht, sollten Anleger folgende Kriterien beachten

Wie hoch ist die zu zahlende Mindestrate?

Wie hoch ist die Grundverzinsung? Ist sie variabel oder fest?

Welchen Bonus gibt es für welche Laufzeit? Worauf wird der Bonus gezahlt?

Welche Rendite ist pro Jahr zu erzielen?

Wie hoch ist die Mindestlaufzeit des Sparplans? Läßt er sich vorzeitig kündigen, und welche Fristen sind dabei zu beachten?

Wie wirkt sich ein vorzeitiges Vertragsende auf Verzinsung und Bonus aus?

Fazit: Sparpläne bringen einen deutlich höheren Ertrag als das Sparen per Dauerauftrag zugunsten eines klassischen Sparbuchs.Dennoch lassen sich mit Sparplänen keine Mega-Prozente erzielen - ganz gleich, ob diese mit festem oder variablem Basiszins ausgestattet sind.Sie eignen sich daher vorzugsweise als Teilbaustein des Vermögensaufbaus.

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