Wirtschaft : Mit Trillerpfeifen gegen die Telekom

Call-Center-Mitarbeiter protestieren gegen die Schließung ihrer Standorte

Christoph Stollowsky

Berlin - Am Freitag hatte Bärbel Rindt kein offenes Ohr für die Fragen und Wünsche von Telekom-Kunden. Die 42-jährige Call-Center-Mitarbeiterin machte ihrem Zorn über die Schließungsabsichten des Konzerns mit der Trillerpfeife Luft.

Gemeinsam mit mehreren hundert Kolleginnen und Kollegen der Telekom-Call- Center in Berlin und Potsdam demonstrierte sie vor der Haupstadtrepräsentanz ihres Arbeitgebers in der Französischen Straße. Unterstützt wurden sie von DGB-Chef Michael Sommer und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, die weitere massive Proteste ankündigten. Drinnen tagte der Telekom- Aufsichtsrat. Auch dort waren die Pläne zur Schließung der Call-Center Thema: Die fünf Telefonzentren in Berlin und das Center in Potsdam sollen bis 2010 aufgegeben werden. Die Berliner sollen in einem neuen Mega- Call-Center mit 1100 Arbeitsplätzen in Frankfurt an der Oder arbeiten, die Potsdamer in Magdeburg.

Die rund 980 betroffenen Mitarbeiter in Berlin und Potsdam könnten auch nach dem Umzug ihren Job behalten, bekräftigte ein Telekom-Sprecher. Man werde ihnen Fahrtkostenpauschalen, Umzugshilfen und andere Unterstützungen anbieten. Viele Betroffene halten das für Augenwischerei. Denn 72 Prozent der Callcenter-Beschäftigten sind nach Angaben von Verdi Frauen, die zu zwei Dritteln für einen durchschnittlichen Stundenlohn von 16 Euro brutto Teilzeit arbeiten und familiär gebunden sind.

Für viele komme ein Umzug nicht in- frage, sagt Verdi. Auch die weite Hin- und Rückfahrt nach Frankfurt von zwei bis drei Stunden sei selbst für Berliner Teilzeitbeschäftigte unverhältnismäßig lang. Doch mehr als 200 Mitarbeiter kommen aus weit entfernten Landstrichen Brandenburgs nach Berlin und nehmen bereits lange Fahrten in Kauf. Der Standort Frankfurt würde die Reise für viele noch verlängern und komplizierter machen.

Bärbel Rindt zum Beispiel wohnt in einem Dorf bei Schwedt. Früh um 5.30 Uhr nimmt sie den Bus bis Schwedt und muss danach noch dreimal umsteigen, bis sie pünktlich zum Arbeitsbeginn um 8 Uhr das Call-Center in Tegel erreicht. Nach 16 Uhr geht es die gleiche Strecke Retour. Nach Frankfurt würde sich die Fahrzeit um ein bis zwei Stunden verlängern, hat sie ausgerechnet. „Bei Schwedt hab’ ich Haus und Hof, aber dort kriegst du keinen Job. Doch sechs Stunden Fahrtzeit, das geht einfach nicht“, sagt sie.

Die Telekom will ihre Call-Center bundesweit auf 24 Standorte konzentrieren, weil größere Einheiten aus ihrer Sicht wirtschaftlicher sind. DGB-Chef Sommer widersprach dem gestern. Kleinere Center könne man genauso kostensparend managen. Er warf der Telekom-Führung vor, sie hoffe, dass langjährige Mitarbeiter mit älteren Tarifverträgen sich abfinden lassen. Dann könnte man Stellen unbesetzt lassen oder billigere Kräfte einstellen. „Es geht nicht um die Menschen, sondern allein um’s Sparen“, sagte Sommer.

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