Wirtschaft : Mit Wodka, Absinth und Grapefruit

Sebastian Gierke

München - Tschechen und Iren haben die Deutschen längst überholt – zumindest was den Pro-Kopf-Verbrauch beim Bier angeht. Uns bleibt weltweit Platz drei. Zwar wird Bier von allen alkoholhaltigen Getränken hier zu Lande noch am häufigsten getrunken, doch die Nachfrage sinkt. 116 Liter waren es pro Kopf im vergangenen Jahr, 1992 hatte der Verbrauch dagegen noch bei 142 Litern pro Kopf gelegen.

Und dabei war das Jahr 2006 eigentlich sogar ein gutes für die 1284 deutschen Brauereien gewesen – wegen der Fußball-WM und viel schönem Wetter. „Der beste Bierverkäufer ist immer noch der Wettergott“, sagt Peter Hahn, Geschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Deshalb sei es im Moment genauso schwer, eine Tendenz für das laufende Jahr vorherzusagen wie das Wetter der kommenden Monate.

Dennoch wird für 2007 wieder mit einem Rückgang gerechnet. Die Hersteller müssen sich etwas einfallen lassen, um die negative Entwicklung zu stoppen. In der Bierbranche wird experimentiert wie noch nie. Man müsse „flexibel auf die sich ständig verändernden Wünsche der Verbraucher eingehen“, sagt Sandra Werwie, Sprecherin der Bitburger Braugruppe. Neue Kunden gewinnen die Brauereien unter trend- und gesundheitsbewussten Biertrinkern. Biermischgetränke und alkoholfreie, leichte Biere sind im Kommen. 2006 wurden 6,8 Prozent mehr alkoholfreie Biere verkauft, der Absatz bei den Biermischgetränken wuchs sogar um 17,7 Prozent. Der Klassiker, das Radler, also Pils oder helles Bier mit Limonade, macht immer noch 60 Prozent aller verkauften Biermischgetränke aus. Daneben existiert aber eine unüberschaubare Zahl an Mixturen. Schick verpackt gibt es Bier mit Cola, Kirschsaft, Brause und Energy Drinks. Aber auch mit Wodka, Caipirinha, Cachaça oder Absinth. Die Brauereien beschäftigen sogar Szenescouts, die in Clubs den neuesten Trends hinterhertrinken. Was heute in ist, kann morgen schon wieder out sein. Das ist teuer, Entwicklung und Markteinführung verschlingen Unsummen, doch die Brauer haben auf einem schrumpfenden Markt kaum eine Wahl.

Vor allem junge Konsumenten greifen bei Biermischgetränken zu: 27,5 Prozent der 16- bis 19-Jährigen mindestens einmal pro Woche. Für Peter Hahn vom Brauer-Bund kein Problem, „solange der Jugendschutz beachtet wird“. Und so hat ein Weißbiermix mit Grapefruit beste Chancen, zum Bierrenner des Sommers zu werden. Pils ist zwar, mit einem Marktanteil von 60 Prozent, immer noch das mit Abstand beliebteste Bier der Deutschen. Doch zum Mischtrend kommt ein weiterer hinzu: Das Weißbier holt auf und ist dabei, ganz Sommer-Deutschland zu erobern. Sebastian Gierke

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