Mit zwei Jahren Verspätung : Siemens liefert ICEs aus - unfertig

Es ist eine „Mega-Peinlichkeit“ für Siemens, das räumt sogar Vorstandschef Joe Kaeser offen ein. Nun endlich, zwei Jahre zu spät, liefert das Unternehmen die neuen ICEs an die Bahn. Fertig sind die Züge jedoch noch immer nicht.

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Der Elektrokonzern Siemens hat mit zwei Jahren Verspätung die Zulassung für die neuen ICE-Züge für die Deutsche Bahn bekommen.
Der Elektrokonzern Siemens hat mit zwei Jahren Verspätung die Zulassung für die neuen ICE-Züge für die Deutsche Bahn bekommen.Foto: dpa

Da kommt der Zug endlich, mit fast zwei Jahren Verspätung, und die Leute meckern immer noch. Die Steckdosen ungünstig angebracht, die Sitze härter als gewohnt, drahtloses Internet nicht verfügbar – Passagiere, die schon im neuen ICE von Siemens gesessen haben, versehen den neuen Zug im Internet mit einiger Kritik. Rüdiger Grube, der Chef der Deutschen Bahn, ist vor allem erleichtert, dass die Hängepartie nun ein Ende hat. „Die Zulassung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte er am Montag. Zuvor hatte das Eisenbahn-Bundesamt dem Siemens-intern „Velaro D“ genannten Zug endlich die Betriebserlaubnis erteilt. Bis April soll die Bahn acht der bestellten 16 Exemplare bekommen.

Für beide Seiten wurde die Verzögerung zum Problem

„Wir erwarten, dass Siemens uns nun die noch ausstehenden Züge rasch liefert“, sagte Grube weiter. Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht – denn noch immer kann der Zug nicht all das, was er können soll. Zum Beispiel über die Grenze nach Belgien und Frankreich fahren; dazu sind wiederum neue Genehmigungen der Behörden nötig.

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Damit kennen sich die Bahn und Siemens bereits aus. Vor allem die Software verhielt sich lange Zeit nicht so, wie sich das die Gutachter des Eisenbahn-Bundesamtes vorstellten. Deshalb untersagten sie den Betrieb zweier gekuppelter Einheiten, die Bahn mochte die längst fertig produzierten Züge daher nicht abnehmen. In Einzeltraktion hätte sie sie allerdings schon seit Mitte 2012 einsetzen können.

Für beide Seiten wurde die Verzögerung zum Problem: Im Bahn-Fernverkehr wurde es für Passagiere immer enger, geplante internationale Verbindungen musste der Konzern auf Eis legen. Für Siemens wurde die Causa zu einer „Mega-Peinlichkeit“, wie Vorstandschef Joe Kaeser einräumte. „Wir haben einfach nicht gut gearbeitet“, gab er offen zu. Immerhin widerfuhr den ersten ICE-Fahrern dieser Tage  etwas, das viele noch nicht kannten: Sie kamen bis zu drei Minuten zu früh am Ziel an.

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