Wirtschaft : Mitarbeiter AG

Die IG Chemie schlägt Arbeitsgruppe für Arbeitnehmerbeteiligung vor / Lohnforderungen für 2007

Alfons Frese

Hannover / Berlin - Die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert die Bundesregierung zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe auf, um die „Idee der Arbeitnehmerbeteiligung“ umsetzbar zu machen. Andernfalls, sagte der Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt am Montagabend in Hannover, werde die Diskussion wie bislang noch immer nach einigen Monaten wieder „in der Versenkung verschwinden“. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigte am Dienstag an, der Bundesregierung Anfang kommenden Jahres ein Investivlohn-Modell vorzuschlagen. Die Zeit sei reif, um die Arbeitnehmer stärker an Gewinn und Kapital der Firmen zu beteiligen.

Die IG BCE sieht die Mitarbeiterbeteiligung als ein Instrument, mit dem „die Diskrepanz in der Entwicklung von Löhnen und Gewinnen ausgeglichen werden kann“. Es sei nicht einzusehen, „dass nur die Führungskräfte am Unternehmenserfolg beteiligt werden“, sagte Schmoldt im Rahmen der Jahrespressekonferenz der IG BCE. Allerdings verstehe er die Mitarbeiterbeteiligung als „On-Top-Thema“, und sei nicht bereit, „im Gegenzug beispielsweise eine Flexibilisierung der Tarifentgelte hinzunehmen“.

In der kommenden Tarifrunde werde das Thema keine Rolle spielen, weil mindestens acht oder sogar zehn unterschiedliche Problembereiche erst zu klären seien. In die im Januar beginnenden Tarifgespräche geht die IG BCE ohne eine präzise Prozentforderung. Schmoldt bekräftigte aber als Orientierungsgröße das Wachstum der Branchenproduktivität und die Inflationsrate. Der Gewerkschaft zufolge ist die Produktivität im laufenden Jahr um 4,7 Prozent gestiegen, für 2007 wird eine niedrigere Rate erwartet. Die Inflationsrate beträgt in diesem Jahr 1,8 Prozent und im kommenden voraussichtlich 2,2 Prozent.

Etwas präziser in ihrer Lohnforderung waren am Dienstag führende Funktionäre der IG Metall. Der Bezirksleiter von Baden-Württemberg kündigte eine deutlich höhere Lohnforderung als vor einem Jahr an, als die Gewerkschaft mit fünf Prozent in die Gespräche gegangen war. Sein bayerischer Kollege berichtete sogar von einzelnen Firmen, in denen die Beschäftigten acht Prozent wollten.

Schmoldt äußerte sich am Montagabend auch über die derzeit laufenden Gespräche über die Zukunft respektive das Ende der Steinkohle. Die CDU im Bund sowie die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, wo es noch Zechen gibt, wollen den Bergbau spätestens im Jahr 2008 einstellen. IG BCE und SPD möchten dagegen einen Sockelbergbau über dieses Datum hinaus erhalten. Das nächste Spitzengespräch der Beteiligten findet am 14. Dezember in Berlin statt, aber wegen der komplizierten Materie erwarte er dann noch kein Ergebnis, sagte Schmoldt. Wenn allerdings zu Beginn des kommenden Jahres noch keine Verständigung zustande komme, sei der Börsengang der RAG gefährdet, meinte Schmoldt.

Der Essener RAG-Konzern will die Steinkohleförderung („schwarzer“ Bereich) in eine Stiftung einbringen, und den „weißen“ Bereich mit der Chemiefirma Degussa, dem Energiekonzern Steag und den Immobilien an die Börse bringen. Das geht aber nur, wenn die RAG nicht mehr für die Steinkohle haften muss. „Ohne Auflösung des Haftungsverbundes kann der weiße Bereich sich nicht entwickeln“, sagte Schmoldt und bekannte sich ausdrücklich zu den Börsenplänen der RAG.

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