Wirtschaft : Mitarbeiter sollen am Unternehmenserfolg beteiligt werden

Die Philipp Holzmann AG und die Industriegewerkschaft Bau haben sich nach mehreren gescheiterten Anläufen nun auf einen neuen Sanierungstarifvertrag geeinigt. Als Gegenleistung für ihren Beitrag zur Gesundung des angeschlagenen Bauriesen sollen die etwa 7000 Baubeschäftigten im Inlandskonzern zusätzlich mit einer Beteiligung am Unternehmenserfolg belohnt werden.

Entscheidender Maßstab dafür ist das Volumen der zunächst unbezahlten Überstunden und der Aktienkurs Ende August 2004. Dies ist der Kern eines neuen Kompromisses, der am Mittwoch in Frankfurt präsentiert wurde. Der Vertrag ist bislang aber weder unterzeichnet noch von den beiden Arbeitgeberverbänden der Branche abgesegnet worden.

Der Sanierungsbeitrag der Belegschaft von der Philipp Holzmann AG und den inländischen Bautöchtern soll zunächst den Baukonzern um 170 Millionen entlasten. Dafür leisten die Beschäftigten, die dem Bautarif unterliegen, vom Februar 2000 an bis 31. Juli 2001 jeweils fünf unbezahlte Überstunden pro Woche. Wenn Holzmann bis dahin die Gewinnzone erreicht hat, erfolgt 2002 eine Erstattung der auf einem Arbeitszeitkonto gesammelten Mehrarbeitszeit in Form von Freizeit oder Entgelt.

In den neuen Sanierungstarifvertrag wird nun zusätzlich ein "Aktienwertsteigerungsprogramm" eingeführt. Ausgangsbasis ist der Geldwert der geleisteten Überstunden. Diese Summe - bei etwa 300 Stunden Mehrarbeit rund 4600 Euro - wird durch 85 Euro geteilt. Daraus ergibt sich die Anzahl der so genannten Rechte an der Wertsteigerung des Unternehmens, die allerdings bis Ende August 2004 ruhen.

Der Aktienkursanteil oberhalb von 85 Euro am 31. August 2004 wird dann mit der Zahl der erwarteten Rechtstitel multipliziert und an die Arbeitnehmer ausgezahlt. Im Falle eines Aktienkurses von 110 Euro wären dies etwa 1350 Euro. Mit diesem Modell sollen die Beschäftigten an Holzmann gebunden und am Sanierungserfolg beteiligt werden, sagte Personalchef Michael Ernst. Die IG Bau sprach von einer "Gewinnchance ohne Verlustrisiko".

Ob die Belegschaft überhaupt in den Genuss einer Erfolgsbeteiligung kommt, hängt allerdings vom künftigen Kurs der Aktie ab. Vor allem wird es darauf ankommen, ob die Aktienanleger das Sanierungskonzept des neuen Vorstandsvorsitzenden Konrad Hinrichs als tragfähig und gewinnversprechend einschätzen. Am Mittwoch wurde die Holzmann-Aktie an der Börse lediglich mit rund 25 Euro bewertet.

Die IG Bau will Ende der Woche bei den Mitgliedern und Betriebsräten von Holzmann die Zustimmung für den Haustarifvertrag einholen.

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