Wirtschaft : Mitarbeiter von Bosch-Siemens sind zum Streik bereit

Betriebsrat macht Vorschläge zum Erhalt von 600 Jobs in Berlin-Spandau – und plant weitere Protestveranstaltungen

Corinna Nohn

Berlin - Sollte Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) die Sparvorschläge des Berliner Betriebsrats zur Rettung des Standorts Spandau endgültig ablehnen, wollen die Mitarbeiter die Arbeit niederlegen. „Wir peilen mit unseren externen Beratern für den 6. Juni ein erneutes Gespräch mit der Unternehmensleitung und dem Wirtschaftsausschuss an“, sagte Luis Sergio von der IG Metall am Freitag in Berlin. Sollten die Vorschläge dann nicht berücksichtigt werden, seien die Mitarbeiter in Spandau schon am folgenden Tag zum Arbeitskampf bereit.

Am 4. Mai hat der Hausgerätehersteller das Produktionsende in Berlin zum Ende des Jahres 2006 angekündigt, weil der Standort nicht mehr profitabel sei. 600 von knapp 1100 Arbeitsplätzen sind bedroht. Nur die Entwicklung soll in Berlin bleiben. „Aber wo nicht produziert wird, da gibt es auf Dauer auch keine Entwicklung“, sagte Sergio. Dabei böten sich auch bei einem Ende der Waschmaschinenproduktion für Spandau Alternativen an: „Wir könnten die Vorfertigung für den BSH-Verbund in Berlin ausweiten oder bisher auswärts bezogene Teile selbst produzieren.“ Man wolle Lösungen finden, die die Arbeitsplätze an den anderen deutschen Standorten nicht gefährdeten.

Der Betriebsrat hat nach eigenen Angaben zur Rettung des Standorts Einsparmöglichkeiten in Höhe von 15 bis 20 Millionen aufgezeigt – durch Mehr- oder flexiblere Arbeit und Verzicht auf übertarifliche Leistungen. „Unsere Vorschläge hat das Unternehmen in seinen Berechnungen bisher überhaupt nicht mit einbezogen“, sagte der Betriebsratschef Güngör Demirci. Er habe das Gefühl, hier solle eine längst getroffene politische Entscheidung nachträglich mit Fakten untermauert werden. „Wir sind der Meinung, dass Spandau mit geringen Investitionen unter Berücksichtigung unserer Sparvorschläge profitabel sein könnte.“

Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) setzt sich beim BSH-Vorstand für den Erhalt der Arbeitsplätze ein. Die Unternehmenssprecherin sagte jedoch, die negative Entwicklung in Spandau halte seit Jahren an. Habe das Werk vor zehn Jahren noch 1,5 Millionen Waschmaschinen produziert, seien es jetzt weniger als 500 000. Auf dem wettbewerbsaggressiven Markt für Waschmaschinen sei man nicht konkurrenzfähig.

Die Belegschaft sei kampferprobt und werde die Schließung nicht einfach hinnehmen, kündigte Sergio an. „Falls die Unternehmensleitung unsereVorschläge ablehnt, sind wir für den Arbeitskampf bereit.“ Darüber werde Ende des Monats entschieden. Am 19. Mai wollen die Betroffenen mit einem Autokorso zur Berliner Bosch-Zentrale und zum Roten Rathaus fahren. Für den 26. Mai ruft die Gewerkschaft zu einem Tag der Solidarität auf: Zu Kundgebungen vor dem Spandauer Werk seien auch Beschäftigte der BSH- und Siemens-Betriebe aufgerufen, die ebenfalls von einem Arbeitsplatzabbau betroffen wären.

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