Wirtschaft : Mitarbeiter zweifeln an Ackermann

Deutsche Bank am Aschermittwoch abgewatscht

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Frankfurt/Passau/Vilshofen – Der traditionell zurückhaltende Betriebsrat der Deutschen Bank ist zunehmend durch die öffentliche Empörung über Vorstandschef Josef Ackermann alarmiert. Mehr und mehr Betriebsräte plädierten dafür, mit Kritik am Vorstand an die Öffentlichkeit zu gehen, heißt es aus dem Umfeld des Gremiums.

„Ackermanns Ansehen ist auch in der Bank schwer beschädigt,“ sagte Wolfgang Hermann, Bankenexperte der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, dem Tagesspiegel. Auch ein führender Manager der Bank sagte dem Tagesspiegel, die ganze Debatte sei schockierend. Die Stellenstreichungen seien der Öffentlichkeit nicht richtig vermittelt worden. „Der Boykott ist völlig ungerechtfertigt, schließlich haben wir keine vergifteten Lebensmittel verkauft. Der Zorn trifft die Falschen, nämlich die Mitarbeiter in den Filialen.“

Der Boykottaufruf der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti findet inzwischen auch in der Bundespartei Befürworter. SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles und Juso-Chef Björn Böhning schlossen sich dem Aufruf an. Die Empörung brach sich beim traditionellen Politischen Aschermittwoch mit persönlichen Attacken gegen Ackermann Bahn.

Während Kanzler Gerhard Schröder das Thema bei seinem Auftritt in Köln aussparte, sagte CSU-Chef Edmund Stoiber in Passau, Ackermanns Verhalten nehme den Menschen Hoffnung. „Wenn man Milliarden-Gewinne macht und gleichzeitig verkündet, man stellt 6000 Leute aus, dann ist das eine Geschmacklosigkeit, eine Unfähigkeit, dann ist das unakzeptabel und muss natürlich auch kritisiert werden“, sagte Stoiber. Zwar stünden die deutschen Banken im internationalen Wettbewerb, doch müsse ihre Geschäftspolitik nachvollziehbar sein.

Mehrere SPD-Redner langten kräftiger hin. Fraktionsvize Ludwig Stiegler etwa sprach in Vilshofen von einer Blutspur von 20000 vernichteten Arbeitsplätzen, die der Schweizer Ackermann hinter sich herziehe. Diese Zahl von Arbeitsplätzen hat die Deutsche Bank seit Ackermanns Amstantritt 2002 abgebaut. Derzeit geht es um weitere 6400 Arbeitsplätze, davon 2000 im Inland. „Oh, wärst du doch in der Schweiz geblieben, du Unwertschöpfer“, rief der Oberpfälzer Stiegler. Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, warf dem Bank-Chef vor, Arbeitnehmer dürften nicht zu „Kostenfaktoren mit Ohren“ herabgewürdigt werden. „Was für eine Sensibilität haben denn solche Menschen?“

Auch der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sagte in mehreren Interviews, das Management der Bank agiere rücksichtslos und füge dem Standort Deutschland Schaden zu. „Ich sehe einen verantwortungslosen Chef der Deutschen Bank, der so tut, als könnte er nur von der Gesellschaft und von der Politik fordern, als müsse er nicht auch ein guter Staatsbürger sein.“

Kritik kam ebenfalls von Expertenseite. Joachim Land, Professor für Steuerrecht an der Universität Köln, sagte der „Financial Times Deutschland“, Ackermann habe die gesamte Argumentation diskreditiert, dass Steuersenkungen wichtig seien, um Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.

Die Bundesbank nahm Ackermann in Schutz. „Es darf nicht verpönt sein, wenn einzelne Banken Gewinne erzielen, die es ihnen erlauben, international wieder zur ersten Liga aufzuschließen“, sagte Bundesbankvorstand Edgar Meister der „Financial Times Deutschland“.

Auch der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel nannte die Debatte „verlogen und völlig unberechtigt“. Ackermann wolle erreichen, dass die Bank Deutschland erhalten bleibe, sagte er im Deutschlandradio Berlin. Ausländische Banken könnten einen Kauf der Deutschen Bank aus der Portokasse begleichen. „Wenn alle so erfolgreich arbeiten würden wie Herr Ackermann, dann wäre Deutschland heute deutlich besser dran.“ Der Gescholtene wiederum will sich laut „Welt“ diesen Donnerstag per E-Mail gegenüber den Mitarbeitern der Bank verteidigen. Es gehe nicht darum, an einem bestimmten Renditeziel starr festzuhalten, stehe in der E-Mail, hieß es vorab. Um im Weltkonzert vorne mitzuspielen, wie es die unternehmerische Verantwortung verlange, müsse aber die Rendite der Bank weltweit konkurrenzfähig sein. mod/ro/dr

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