Wirtschaft : Mitarbeiterentlassungen: Dell und die menschliche Natur

Rainer Hank

Jetzt also Dell. Der zweitgrößte Computerhersteller der Welt entlässt 1700 Mitarbeiter. Das sind immerhin vier Prozent der Belegschaft. Die schwache Nachfrage lasse keine andere Wahl, heißt es zur Begründung. Diese Meldung ist an sich schon aufregend, handelt es sich doch um die erste Massenentlassung in der 16-jährigen Geschichte des texanischen Unternehmens. Zwar holt Dell nach, was Compaq und andere schon hinter sich haben. Doch das ist nicht alles, und Dell ist nicht irgendwer: Der Computerhersteller war lange Zeit so etwas wie das mikroökonomische Beispiel für die makroökonomische Theorie. Die Theorie ging so: Die New Economy setzt den Konjunkturzyklus außer Kraft. Stetiges Wachstum ohne Inflation bei Vollbeschäftigtung werde bald alltäglich werden, sagten die Propheten. Und der Beweis ging so: Dell baut Fabriken ohne Läger. Denn in der New Economy wird auf Bestellung produziert - unter Umgehung des Zwischenhandels. Volle Läger gelten als wesentlicher Auslöser für den Konjunkturzyklus, der ja nichts anderes ist als eine unzureichende Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Die neuen Nachrichten von Dell und anderen zeigen, dass der Konjunkturzyklus lebt. Jetzt muss eine neue Balance der Auftragsbestände - also der Läger - gefunden werden. Das sei angesichts des technologischen Fortschritts die leichtere Übung, sagt Alan Greenspan. Sorgen bereitet dem Notenbankchef indessen etwas ganz Unökonomisches: die menschliche Natur. Denn die reagiert auf Schocks wie immer: erschrocken und risikoscheu. Je stärker der Abschwung, um so geringer die Neigung zu investieren und zu konsumieren. Das klingt nicht gut.

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