Wirtschaft : Mitarbeiterinnen in USA verklagen Dresdner Bank Frauen fühlen sich von Arbeitgeber diskriminiert

Felix Schönauer (HB)

New York - Irgendwann hatte Joanne Hart genug. Schon lange fühlte sich die Investor-Relations-Beauftragte von Dresdner Kleinwort Wasserstein in New York benachteiligt. Seit Jahren hatte sie trotz guter Bewertung ihrer Ansicht nach zu geringe Boni bekommen. Anfang des Jahres gab es darüber erneut ein Gespräch. Ihr Vorgesetzter sagte, er könne ihr auch diesmal nur wenig mehr bezahlen. Er müsse stattdessen etwas für „die Jungspunde“ haben. Damit war für Hart das Maß voll. Sie nahm sich einen Anwalt.

Am Montag beantragten Joanne Hart und fünf Kolleginnen vor dem New Yorker Bezirksgericht eine Sammelklage gegen Dresdner Kleinwort Wasserstein. Systematische Ungleichbehandlung von Frauen lautet der Vorwurf. Es ist das erste Mal, dass sich eine deutsche Investmentbank an der Wall Street mit Diskriminierung im eigenen Haus auseinander setzen muss. Lässt das Gericht die Klage zu, würden die sechs Frauen im Namen aller weiblichen US-Angestellten der Bank klagen. Der Wert der Sammelklage liegt bei 1,4 Milliarden Dollar. Die Investmentbank teilte mit, sie äußere sich nicht zu „drohenden Klagen“. Man gehe jedoch davon aus, dass die Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten.

Ähnliche Fälle gegen andere Investmentbanken sind in New York oder London keine Seltenheit. Einigungen gibt es oft außergerichtlich. So verpflichtete sich die US- Bank Morgan Stanley vor gut anderthalb Jahren ohne Urteil, 340 Arbeitnehmerinnen 54 Millionen Dollar zu zahlen. In London gewannen Frauen in Einzelklagen mitunter mehrere Millionen Pfund von ihren Ex-Arbeitgebern.

Im Fall Dresdner Kleinwort Wasserstein arbeiteten die sechs Frauen zum Teil seit mehr als zehn Jahren bei der Bank. „Frauen werden als Menschen zweiter Klasse bezeichnet“, heißt es in der Klageschrift. Stellvertretend für die Bank werden zwölf Vorgesetzte verklagt, darunter auch eine weibliche. Die Mitarbeiterinnen untermauern ihre Behauptungen mit Zahlen. So seien im Mai 2005 im Bereich Capital Markets rund 60 Prozent der Frauen maximal auf dem niedrig bezahlten Niveau eines „Associate“ beschäftigt gewesen, von den Männern hingegen nur 22 Prozent. Auch persönlich machten die Klägerinnen schlechte Erfahrungen mit ihren Chefs. Frauen hätten im Handel bei gleichen Ergebnissen geringere Boni bekommen. Zudem habe der Chef einer Klägerin diese vor Kollegen als „Pamela Anderson des Handels“ bezeichnet. Eine andere wurde aufgefordert, eine Feier nach Abschluss eines Deals zu verlassen, damit die männlichen Kollegen in einen Stripclub weiterziehen konnten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben