Wirtschaft : Mitregieren, wo es wirklich spannend ist

Die Beraterbranche sieht sich wieder im Aufwind. Die Zugangshürden zum Beruf des Consultants werden immer höher gelegt

Christine Demmer,Regina-C. Henkel

Von Christine Demmer

Und Regina-C. Henkel

Unternehmensberater sind fein raus. Sie werden für all das engagiert, was sich angestellte Manager sehnlichst wünschen, aber selten dürfen: jede Menge verrückt klingender Ideen äußern, ohne dass sich jemand an die Stirn tippt, oder wochenlang an einem Konzept arbeiten, bei dem am Ende herauskommt: „So geht es nicht“. Und sie dürfen ihre Lieblingskunden an den Schlüsselstellen der Macht positionieren, ohne dass es jemandem auffällt. Will sagen: Sie regieren überall dort mit, wo es in Wirtschaft und Politik wirklich spannend ist. Dafür stellen sie dann auch noch dicke Honorare in Rechnung. Der Jahresumsatz der Branche: drei Milliarden Euro.

Kein Wunder, dass sich ehrgeizige Hochschulabsolventen darüber freuen, wenn 41 Prozent der Beratungsunternehmen in Deutschland wieder einstellen wollen. Nach Jahren der Auftragsflaute und damit einhergehendem Personalabbau schaut die Branche wieder mit Optimismus nach vorn. Aus seiner Marktstudie „Facts & Figures zum Beratermarkt 2003“ schlussfolgert der Bundesverband deutscher Unternehmensberater (BDU) für das Jahr 2004, dass bereits geplante oder in Aussicht stehende Fusionen, etwa im Bankensektor oder in der Pharmaindustrie, und wieder zunehmende Börsengänge dem Beratungsgeschäft „Schwung verleihen“ werden. Impulse erwartet der Verband, in dem sich rund 14 200 Berater aus etwa 500 Management-, IT- und Personalberatungsunternehmen organisiert haben, auch aus „verstärkten Anstrengungen der Klienten, wachstumsorientierte Projekte aufzulegen, ein höheres Maß an Sicherheit ihrer IT-Systeme zu gewährleisten und IT-getriebene Vertriebs- und Lieferkettenstrukturen einzuführen“.

Auch aus dem Politikbetrieb sind die Consultants nicht mehr fortzudenken. BDU-Präsident Rémy Redley zitiert zur aktuellen Diskussion über Beraterverträge mit der Öffentlichen Hand den im internationalen Vergleich niedrigen Anteil von neun Prozent am gesamten Beratungsvolumen. In den USA liege er bei 34 Prozent und in Großbritannien bei 13 Prozent. Die Staatsquote von 48 Prozent hierzulande kann nach Überzeugung Redleys nur mit Unterstützung externer Berater zurückgefahren werden. Allein das „spezielle Fach- und Methodenwissen“ der Consultants und der „nicht durch Anforderungen ans Tagesgeschäft oder lange Betriebszugehörigkeit verstellte Blick“ mache es möglich, „komplexe und schwierige Veränderungsprozesse effizient zu gestalten“.

Da klingt viel Selbstbewusstsein mit und so werden Erinnerungen an den im Jahr 1998 vom Beratungsunternehmen McKinsey kreierten Schlachtruf „War for talents“ wach. So genannte „Top-Performer“ an den Hochschulen haben damals gut zugehört – und sich vom Ende des Wirtschaftsbooms nicht beirren lassen. Sie haben einfach eine Warteschleife gedreht. Vielfach mit dem Ergebnis, jetzt einen MBA- oder Doktortitel vorweisen zu können (siehe Interview).

So gibt es heute mehr hoch qualifizierte, interkulturell bewanderte und praktisch erfahrene High Potentials denn je. Entsprechend gestiegen sind die Anforderungen, die von den Beratungsunternehmen gestellt werden. Ulf Henning, Associate Partner bei der Unternehmensberatung Accenture sieht „tiefes IT-Know-how“ als unverzichtbar an: „Wer in die IT-Beratung strebt, muss die Betriebssysteme von innen kennen und gründliche Kenntnisse und Erfahrung in SAP-Programmierung und -Implementierung mitbringen.“ Fießendes Englisch reicht längst nicht mehr aus; verhandlungssicher muss es sein, wenn möglich im Ausland erworben. Vielleicht sogar bei einer Unternehmensberatung, die bereits erfolgreiche Projekte außerhalb Deutschlands abgewickelt hat …

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